Stammtisch

Geschichten aus den Gaststuben

Dörfliche Idylle ist ohne ein Wirtshaus undenkbar. Man trifft sich nach harter Arbeit gesellig zum Biere, Geplauder, Tanz und Spiel.

In Französisch Buchholz begann die Wirtshausgeschichte im Jahre 1375 mit dem Dorfkrug an der Haupt/Ecke Mühlenstrasse, zu dessen Wirtschaft auch ein ländlicher Betrieb gehörte. Die Zapfzinsen gingen zur damaligen Zeit noch zu den Landsherren und mit dem Übergang des Dorfes an den Kurfürsten erhielt der Lehnschulze den Zapfzins von 2 alten Pfennigen auf die Tonnen ausgeschenkten Bieres.

Der Betrieb vergrößerte sich zusehnst und brachte dem Kurfürsten 15 Scheffel Roggen, 15 Scheffel Hafer, 36 Hühner, 40 Silbergroschen sowie 26 Silbergroschen und 8 Pfennige an Schankgeld. Zusätzlich mussten Fuhren und Hofdienste an das Amt Mühlenbeck geleistet werden.

Das Schankgesetz des Amtes Mühlenbeck aus dem Jahre 1591 schrieb vor, dass der Krüger (Wirt) Durchreisende eine Nacht beherbergen durfte und dass Zank, Streit, das Anschreiben von Zechen und unzüchtige Tänze verboten waren. Der Biergenuss für Knechte wurde auf 4 Groschen eingeschränkt und die Ausschankzeit war im Winter auf acht und im Sommer auf neun Uhr beschränkt. Nur wer über die Straße wohnte konnte bis zehn Uhr bleiben.

Auch der große Kurfürst und der Kurprinz haben in Buchholz übernachtet. Ein Textauszug lautet; Am 27. Juni 1660 ist "Seine Churfürstliche Durchlaucht" über Nacht in Buchholz gewesen. Es wurden von den Dienern ein halbes Fass Bier aus dem Keller geholt, aber bezahlen musste das Amt Mühlenbeck.

Die Biersorten Ende 17. und Anfang 18. Jahrhundert waren Herrenbier, Bernauer Bier und Berliner Weißbier.

Mitte des 19. Jahrhunderts bekam der Krug einen großen Tanzsaal dazu und wurde nun zum Schützenhaus, wo nun der ortsansässige Verein sein Domizil bezog und sich der Krüger über mehr Zulauf freuen konnte.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Schützenhaus verstaatlicht und verfiel stetig bis es schließlich abgetragen werden musste. Der ehemalige Tanzsaal werden nunmehr als Gewerberaum genutzt.

Zum Storch Anfang des 18. Jahrhunderts begann die Geschichte des heutigen "Eisernen Gustav". Zur damaligen Zeit baute die Familie Köppen das Gasthaus an der Gravenstein-, Ecke Hauptstrasse heute Pfarrer - Hurtienne Platz. Ein kleiner Tanzsaal ergänzte 1850 den Schankraum wo die Buchholzer schöne und unvergessliche Stunden verleben konnten. Überliefert ist auch, dass für die Bassgeige ein Loch in die Decke gebohrt werden musste, um diese aufrecht halten zu können. Auch von zünftigen Keilereien ist das Haus nicht verschont gewesen.

Fahrende Händler und große Erntefeste sorgten für den stetigen Betrieb der Gaststube. Von 1895 bis 1904 diente das Gasthaus in der Nacht als Omnibusdepot für die Fahrpausen, wo dann nach einem Scheunenbrand auf dem Hof das Gasthaus der Gasthof allmählich verfiel.

Sieben Jahre später übernahm Gustav Matthieu den verfallenen Gasthof und verhalf der kleinen Wirtschaft mit dem Tanzsaal zu neuem Leben. Ergänzt durch einen Biergarten mit stimmungsvoller bunter Abendbeleuchtung bot dem Gasthof den typischen Berliner Zilleflair. Der Gasthof erhielt den Namen Jägerheim und es gab Löwen Böhmisch und Berliner Kindl. Der große Stammtisch zog viele namhafte Buchholzer, Gewerbetreibende und den Reiterverein zum sonntäglichem Frühschoppen an. Zum Ärgernis der heimischen Ehefrauen verpasste der Stammtisch des Öfteren das Mittagessen, da sie sich ein verlängerten Frühschoppen leisteten. Die Ergebnisse erfolgreicher Hasenjagden dienten als Preise für das Billardspiel im Gasthof.

Eine Anekdote aus der damaligen Zeit war der war der Ritt des Vorsitzenden des Reitervereines Gustav Totz um den Billardtisch, wo er sodann eine Runde für seine Kameraden bestellte, die dort Aufstellung genommen hatten. Nach dem 2. Weltkrieg beherbergte der Gasthof das Vereinszimmer des Männerchores für die Übungsabende und kleinere Feiern.

Den Höhepunkt der Geschichte des Hauses fand die Gaststube 1958, als mehrere Lastwagen einer bekannten Filmgesellschaft vorfuhren und das Lokal nebst Kirche als Kulisse für den Film "Der eiserne Gustav" nutzten. Die Buchholzer Görsch, Schmelz und Mitglieder des Schulchores dienten als Statisten und die Gemüsebauern stellten die Kutschen samt Pferde für die Filmaufnahmen als Requisite. Die Hauptrolle des Films war mit dem berühmten Schauspieler Heinz Rühmann besetzt, der seine Pausen in der Küche des Lokals mit Pfefferminztee und Weißkäse verbrachte.

Das zweite Aus kam im Jahre 1960, als des Haus verstaatlicht wurde und der Wirt wegen Duldung eines Treffens von Buchholzern, die gegen die zwangsweise Genossenschaftsbildung waren und hier darüber diskutierten. Ein Jahr vor der politischen Wende wurde das Lokal geschlossen.

Heute wird es nun angelehnt an den damaligen Filmaufnahmen als Gaststätte "Eiserner Gustav" geführt.

Kaffeehaus Garnier Auf dem Grund des heutigen Treffpunktes in Buchholz stand das ehemalige Kaffeehaus Garnier dessen Zimmer, Sommerwohnungen, dem gepflegten Blumengarten und der Kaffeehausstube eine Empfehlung im Romantischen Spreeland (Band 1) wert war. Billardzimmer und eine Kegelbahn zog viele Besucher an und der Sommergarten spiegelte das typische Berliner Biergartenleben wieder.

Die Nachfolge trat der Auguste - Victoria - Garten an, bevor es zum Treffpunkt wurde. Während dieser Zeit gab es zahlreiche Besitzerwechsel Um- und Anbauten. Der große Saal und Biergarten diente zu zahlreichen Bällen der Bauern, Gärtner, Feuerwehr, Männerchor, Gartenvereinen und Betrieben. Auch die Eisenbahner aus dem ehemaligen Lokschuppen in Heinersdorf führten hier ihre Betriebsfeiern durch.

Leider findet sich heute kein Investor, der das traditionsreiche Lokal weiterführt und das Haus bot somit dem Aussehen Buchholz keinen guten Anblick. Die Nachfolge trat die Christliche Gemeinde an, die das Haus als Treffpunkt und Begegnungsstätte nutzen

Wirtshaus an der Panke Anfang des 20. Jahrhunderts konnten die Buchholzer ein weiteres Lokal in ihrem Ort besuchen welches sich in unmittelbarer Nähe des Pankeflüsschen befindet, der auch Pate für den Lokalnamen stand. Noch heute in vierter Generation als Familienbetrieb geführt dessen Gastraum noch heute die Originaltheke aus der Gründungszeit ziert und dem neu rekonstruiertem Festsaal bietet das Lokal zahlreichen Besuchern und Vereinen eine gemütliche Heimstätte mit gut bürgerlicher Küche.

Lokalitäten gab es zur damaligen Zeit zahlreiche, da sich viele Berliner zu Ausflügen auf das ländliche Randgebiet zurückzogen und bei Biergartenatmosphäre die warmen Sommerabende genossen.

Heute bietet Französisch Buchholz neben dem dem Eisernen Gustav und dem Wirtshaus an der Panke, die heute sozusagen zu den Traditionshäusern von Buchholz gehören eine vielfältige Mischung an Lokalitäten. Verschiedene Länderspezialitäten wie griechisch, chinesisch, italienisch, mexikanisch und die gute deutsche bürgerliche Küche laden Buchholzer und dessen Gäste ein.

Unsere Empfehlung, das griechische Restaurant "Hercules" im Rosenthaler Weg und das Alte Forsthaus in Mühlenbeck.