Schönholz

Die Königinplantage

Der heutige Ortsteil Schönholz steht unmittelbar im Zusammenhang mit der preußischen Königin Elisabeth Christine von Braunschweig - Bevern. Sie ehelichte am 12. Juni 1733 den Kronprinzen von Preußen und späteren preußischen König Friedrich II. Elisabeth Christine lebte während der Sommerzeit im Schloss Schönhausen im Ortsteil Niederschönhausen. Als ungeliebte Königin bekannt, lebten die preußische Königin und König Friedrich II. getrennt, da dieser wenig Sinn für Familienleben hatte. So blieb die Ehe auch kinderlos und sie trafen lediglich auf Galafesten zusammen.

Sehr belesen befasste sie sich viel mit der Literatur und verfasste auch einige Schriften in französischer Sprache. Auf ihre Veranlassung hin wurde der heutige Pankower Ortsteil Schönholz gegründet. Unweit des Schlosses kaufte sie im Jahr 1752 55 Morgen Land und legte die in Mode gekommene Maulbeerplantage an. An dessen Rand siedelten schließlich 1772 in einer kleinen Kolonie Leineweber und Tuchmacher, vorwiegend aus Böhmen an, wo heute noch aus dieser Zeit der Tuchmacherweg herrührt. Diese Siedler bekamen Unterkunft und ein bisschen Land und verpflichteten sich zeitweise auf der Königinplantage zu arbeiten. 1791 bekam diese Kolonie den Namen Schönholz. Man begann mit der Bepflanzung von Maulbeerbäumen zur Seidenraupenzucht. Dies erwies sich als nicht sehr erfolgreich, war es schließlich einzigartig in Deutschland. Den Park bildet heute die Schönholzer Heide. 1799 ging die Plantage als Erbpacht an den Gastwirt Obermann. Zu der Plantage und der gegründeten Kolonie wurde bald (1840) ein kleines Gut, nebst Park und Schlösschen angelegt.

Schloss Schönholz Wie Wilhelmsruh wurde auch Schönholz mehrmals in der Amtszuordnung geändert. Erst zugehörig zu Niederschönhausen und als Kolonie zu Wilhelmsruh zugeteilt wechselte es ebenfalls seine Zuständigkeit wie der Ortsteil Wilhelmsruh. Wilhelmsruh war ebenfalls einst dem Amt Rosenthal unterstellt, die ebenfalls über die Kolonie Nordend verfüg-te. Vom Amt Rosenthal wurde Wilhelmsruh an das Amt Reinickendorf übertragen und Schön-holz, als Kolonie von Wilhelmsruh ging ebenfalls an Reinickendorf über. Mit der Ver-waltungsreform um 1938 ging Wilhelmsruh nebst der Kolonie Schönholz nicht an Rosen-thal zurück, sondern alle umliegenden Ge-meinden östlich von Berlin schlossen sich der Gemeinde Pankow an. Die westlichen Teile von Schönholz (Jahreszeitenviertel, außer Frühlingsstrasse) blieb bis 1945 dem Amt Pankow erhalten und wurden schließlich während der Aufteilung Berlins nach dem 2. Weltkrieg wieder an Reinickendorf abgegeben.

Der mäßige Erfolg der Maulbeerbaumplantage brachte der Kolonie keineswegs eine wirtschaftliche Abwanderung, sondern das Gebiet um die Plantage entwickelte sich zum beliebten Ausflugsziel für die Berliner. Und so zeugen heute noch alte Ansichtskarten vom schönen Schönholz mit seinen Ausflugslokalen "Kastanienwäldchen", "Schönholzer Flora" und "Tivoli".

Gruß aus Schloss Schönholz um 1905 Mehr Bekanntheit als die kleine Kolonie bekam die Schönholzer Hei-de. Das aufwendig gestaltete Guts-haus mit dem Beinamen "Schloss Schönholz" wurde 1872 zur höheren Mädchenschule. Dieses war ein Nebengelass des Niederschönhause-ner Anwesens und wurde wahr-scheinlich um 1800 gebaut. Zehn Jah-re später erwarb die Berliner Schüt-zengilde die anliegenden Ländereien nebst Gutshaus, welches so ver-wahrlost war, dass sie es schließlich abreißen ließen. 1894 bezog die Gilde ihr neues Domizil in der Schönhölzer Heide. Die sportlichen Organisationen fanden zunehmenst Gefallen an die Schönholzer Heide und es zog den Akademischen Turnverein und den Verein für Bewegungsspiele in der Schönholzer Heide. Das Rote Kreuz von Berlin befand ebenfalls, dass die Schönholzer Heide erholungswürdig war und richtete in Schönholz eine Walderholungsstätte für Frauen und Kinder aus bedürftigen Familien ein, die an Lungenkrankheiten, Blutarmut oder Magenbeschwerden litten.

Plansche an der Panke Um die Jahrhundertwende wollte der preußische Forstfiskus die Schön-holzer Heide abholzen und parzellieren. Hierzu hatte der Forstfiskus das ge-samte Areal für dessen Bebauung pro-jektieren lassen. Für dessen Rettung gründete sich der Verein "Rettet die Heide". Wie schon beim dem Killisch von Horn Park, der zum Bürgerpark wurde, setzte sich auch diesmal der engagierte Bürgermeister von Pankow Wilhelm Kuhr für dessen Erhalt ein. Gemeinsam mit dem Verein verhinderte er diesen Plan und die Heide konnte bis heute in seinen Ursprüngen erhalten bleiben. Und auch wie schon beim Bürgerpark wurde die Schönholzer Heide durch den Stadtbezirk Pankow übernommen und zum Volkspark Schönholzer Heide umgestaltet werden. Hierzu wurden unter Anderem Verbindungsbrücken zwischen dem bereits bestehenden Bürgerpark und der angrenzenden Schönholzer Heide gebaut. Auf dem Teil von Niederschönhausen (Schönholz) entstanden an der Panke Badestrände mit Liegewiesen, dessen Einweihung 1923 begannen wurde. Damals war die Panke noch nicht in einem festen Flussbett und war an den Badestellen fast doppelt so breit wie heute. Die Nähe zum Friedhof III., ebenfalls in der Schönholzer Heide gelegen, brachte dann Unmut, da bei Beerdigungen immer die halbnackten Badegäste zu Gegen waren. Dies führte dann auch zu heftigen Debatten im Bezirksamt von Pankow, wo bei einer Debatte über die Verwahrlosung der Schuljugend gestritten wurde und aus dessen Resultat Unterbringungsmöglichkeiten für die Kinder geschaffen werden sollten. Der Badebetrieb konnte aber wegen der hohen Schadstoffbelastung nicht lange aufrecht gehalten werden, so dass sich das Problem bereits vier Jahre nach Eröffnung von selbst löste und die Badestrände geschlossen wurden. Schon ein Jahr später entstand ein großes Planschbecken nebst Brunnenhäuschen auf dem Teil des Bürgerparks, wo sich die Schönholzer Heide befand und nun konnten die Pankower die neu angelegte Anlage mit Sandspielplatz im westlichen Teil des Parks nutzen. Heute befindet sich dort ein großer Spielplatz, das Planschbecken wurde in den 60er Jahren wegen der Berliner Mauer geschlossen.

Neue Welt Schönholz Dem Vergnügen in Schönholz sollte kein Anspruch zu kurz kommen, so dass die Restaurationsbetriebe Schloss Schönholz (Traumland) und dessen Rheinlandsäle zur Sehens-würdigkeit von Berlin vermarkteten. Zum Restaurant mit den Rheinland-sälen zählte ein großer Biergarten und eine Konzerthalle. Selbst der Lunapark von Berlin wurde in der Schönholzer Heide aufgebaut und "Schönholz in Flammen", ein Riesenfeuerwerk, hieß es jeden Mittwoch in den Sommer-monaten in Schönholz. Günstig für Schönholz war auch die Tatsache, dass die Kolonie einen S - Bahnhof hatte und für zahlreiche Berliner somit gut erreichbar war.

Schönholz war für viele Menschen nicht nur Erholung und Vergnügen. Während des 2. Weltkrieges führten die Machthaber auf dem Gelände des ehemaligen Vergnügungsparks Traumland ein Lager für Zwangsarbeiter, die in den nahe liegenden Fabriken arbeiten mussten. Nach Kriegsende versuchten die neuen Stadtvertreter in Pankow an der Vergnügungsstätte der 20er Jahre anzuknüpfen und ließen 1956 das "Heide Theater" errichten, welches über 2.500 Plätze verfügte. Bis zum Mauerbau wurden dort verschiedene Kulturangebote dargeboten und danach überließ man das Areal dem Schicksal und der Natur.

Als Einzigstes blieb der Schützenverein der Schönholzer Heide treu, die noch heute ihren Sitz am Südende der Schönholzer Heide haben. Ansonsten ist die Heide weiterhin beliebtes Ausflugsziel für Spaziergänge und im Winter mit seinem eigens um 1927 angelegten Rodelberg. An der nördlichsten Spitze der Schönholzer Heide befindet sich das Sowjetische Ehrenmal, welches nach Passieren der Germanenstrasse erreicht wird. Als Spaziergang empfehlen wir den Start am Tor des Bürgerparks, über den Kinderbauernhof Pinke - Panke auf dem Mauerstreifen, weiterführend auf dem Mauerstreifen zum südlichen Eingang der Schönholzer Heide an der Hermann Hesse Straße.