Komm, Kalineken, komm, wir woll`n nach Pankow gehen...
Viele Berliner nutzten das nahe liegende Pankow für ihren Wochendausflug und besuchten die beliebten Ausflugslokale "Linde",
"Rubeaus Kaffeehaus", "Alte Krug", "Gühlers Bienengarten" und auch Theodor Fontane machte zu dieser Zeit im Krug
"Zum schwarzen Adler" Rast bevor er zu weiteren Recherchen zu seinem Buch "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" nach
Buch weiterreiste. Mit Kremser, Droschken und Equipagen oder einfachen Leiterwagen kamen die Wochenendausflügler nach Pankow und verlebten hier
bei gebratener Gänseherrlichkeit ihre Sonntage. Mit riesigen roten, grünen, blauen Familienschirmen nebst blinkenden Messingbeschlag, auch
poetisch "Parasol" genannt und mit langer buntbetroddelte kalte Pfeife zogen die Herren mit Weib, Kind und Kegel in das romantische
Gefilde nach Pankow. Gartenlokale mit Berliner Gassenhauern, herzerweichende Lieder der Harfenjule oder Leierkastenmusik, Karusselle und die
lockenden Losungen "Hier können Familien Kaffee kochen" und unzählige Kegelbahnen zogen die Berliner an den Wochenenden magisch an.
Quer über die Straße hingen schwankende Laternen mit melancholischen Öllämpchen und von allen Seiten strömten Tanzwillige zu den
Sommernachtsbällen der Pankower Festsäle.
Vom Schönhauser Tor fuhren seinerzeit Pferdebahn und Kremser in den Villenvorort Pankow, welches ein beliebtes Ausflugsziel der Berliner war
und noch immer ist. Schon im Erlebnisbericht Bolles zu Pfingsten:
Bolle reiste jüngst zu Pfingsten... beschrieben und im Lied "Komm, Karlineken, komm, wir woll`n
nach Pankow gehen..." besungen zeigen die Beliebtheit des Berliner Vorortes Pankow mit seinen Parkanlagen und den bekannten Gartenlokalen
"Dorfkrug", "Ringels Bellevue", "Gesellschaftshaus Roczycki und Lindersche Restaurant" am Dorfanger. Durch den
großen Andrang Erholung Suchender, mitunter mehr Gäste als Einwohner, wurde Pankow nach Charlottenburg zur steuerkräftigsten Gemeinde im Umland
Berlins. So konnten relativ frühzeitig in Pankow Gaslaternen aufgestellt, die Wasserversorgung gesichert und 1901 sogar mit der Grundsteinlegung
eines Rathauses ein weiterer Schritt für das Erblühen Pankows getan werden. Für viele Berliner Familien war ein Wochenendausflug nach Pankow sehr
kostspielig. Familienräte verabredeten sich Wochen zuvor mit befreundeten Familien und pflogen Rat, ob eine gemeinsamer Kremser gemietet werden
kann. Dann packte man reichlich Verpflegung ein und fuhr hinaus zur Landpartie, welche für eine Familie mit Kindern gerade zweimal im Sommer
möglich war.
Die Geschichte von Pankow begann im 12. Jahrhundert durch den Askanier Albrecht dem Bären und dessen Landnahme 1157 bzw. der zunehmenden
Christianisierung slawischer Siedlungen in der Mark Brandenburg. Heinrich der Bär nannte sich fortan Markgraf von Brandenburg und sorgte für
das weitere Voranschreiten der Christianisierung, der vorwiegend Heidnischen Ländereien. Dabei erhielten deutsche Siedler bei ihrem Vordringen
in die östliche Mark Brandenburg vom Markgrafen Land zum Besiedeln. Die höchste Obrigkeit behielt der Markgraf allerdings inne und ernannte in
seinem Kolonisationsgebiet die Bischöfe und behielt die richterliche Macht. Jeder Kolonist erhielt vom Markgrafen gerade so viel, um seine
Familie zu ernähren. Nur die Kirche, Pfarrer und Lehnschulzen bekamen unter anderem von der Steuer befreite Freihufen. War der Markgraf in
finanziellen Nöten, so verpfändete er seine Dörfer an Adlige, die dann neben den Zinseinnahmen auch das Privileg der Gerichtsbarkeit und dessen
Höhe von Strafsummen zustanden. Dies führte dazu, dass die Familie Krummensee "Rosendalle" (Rosenthal), Ritter Betke von Wiltberg
"Buck slavica" (Buch), Peter von Lettow "Nydderen Schonhusen" (Niederschönhausen) und Hans von Bredow "Buckholtz"
(Buchholz) erwarben. Die restlichen Dörfer "Blankenvelt" (Blankenfelde), "Kare" (Karow), "Hinrickestoppe"
(Heinersdorf), Blankenborch (Blankenburg) und "Panko" (Pankow) des ursprünglichen Pankower Bezirkes wurden unter anderem an
zahlungskräftige Bürger Berlins belehnt. Nach dem Tode Albrecht des Bären 1170 besaßen die Urenkel 1245 bereits die gesamte Mark Brandenburg.
Der Barnim zählte zu dieser Zeit weit mehr als 170 Dörfer mit 3600 Hufen.
Dorfkirche Erstmalig erwähnt wurde Pankow 1230 als ein Pfarrer ein Stück Land erhielt. Aus dieser Zeit
stammt auch der Bau der Feldsteinkirche am Dorfanger in Pankow. Diese wurde vermutlich durch Zisterzienser Mönchen errichtet. Die Kirche nennt sich
Pfarrkirche "Zu den vier Evangelisten", aus dem Zweiten Testament, Johannes, Lukas, Markus und Matthäus benannt. Einst barg die Kirche
bunt bemaltes und geschnitztes Kirchengestühl der Ansässigen Bauern. Der 1737 gebaute Turm aus Fachwerk hielt nicht einmal einhundert Jahre. Noch
erhalten ist der Feldsteinsaal aus dem 15. Jahrhundert im östlichen Teil der Kirche. Karl Wilhelm Redtel baute 1832 mit Unterstützung des
Architekten Karl Friedrich Schinkel die Pfarrkirche Pankows am Dorfanger um. Die Seiteneingänge wurden vermauert und die Fenster vergrößert.
Baumeister Friedrich August Stüler, ein Schüler von Schinkel, erweiterte den Bau 1858/59 durch ein dreistufiges Hallenlanghaus und zwei achteckigen
Türmen im neugotischem Stil. 1908 wurde die Kirche abermals vergrößert. Die Innenausstattung beinhaltet einen Abendmahlskelch aus dem Jahre 1604,
dessen Taufschale einen Schriftkranz mit Fischblasen ziert. Im Altbau befindet sich ein Sternengewölbe und in dem Anbau von Stüler eine Holzdecke.
Ein in der Kirche hängendes Kreuz aus schmiedeeisernen Resten einer von deutschen Fliegern im Jahre 1940 zerbombten Kirche in Conventry (England)
gilt als mahnendes Symbol. An der Südwand der Kirche befindet sich die letzte Ruhestätte von Johannes Heinrich Ludwig Schmelka in Form eines
Denkmals aus Eisenguß. Schmelka war Regisseur und Schauspieler am Königstädtischen Theater am Alexanderplatz.
In den markgräflichen Urkunden fand Pankow um 1311 Erwähnung und 1375 wurden im Landbuch Kaiser Karls IV. schon detaillierte Angaben über
Besiedelung und Besitzverhältnisse in Pankow gemacht. Zu dieser haben die Landreiter Kaiser Karl des Vierten eine Bestandsaufnahme der Güter
vorgenommen und Pankow gehörte zu dieser Zeit zu dem weit entfernten Prag, Residenz des Kaisers. Den Namen Pankow erhielt der Ort durch das
angrenzende Pankeflüßchen an dessen Ufern auch die Dörfer Buch, Karow, Blankenburg, Niederschönhausen und Wedding entstanden. Zu den ältesten
Bauernfamilien zählte in Pankow die slawische Familie Duczek, die in Folge der zunehmenden deutschen Besiedlung später als Duseke geführt wurde.
Weitere alte Bauernfamilien waren Crusemark, Wartenberg, Grunow, Liedemit und Zernikow.
Das Dorf Pankow wurde durch einen breiten sandigen Weg durchzogen, welcher mit Bäumen gesäumt und an dessen Seiten sich Kossäten- und Bauernhöfe
bildeten. Am westlichen Ende befand sich der Dorfteich. Die heutige Mühlenstraße war damals die Verbindungsstraße von Pankow nach Berlin und war
einst bedeutende Handelsstraße. Auf der Wollankstraße führte der Weg nach Charlottenburg, mit dem Weg der Damerowstraße erreichte man Karow und
Buch. Die Berliner Straße und Ossietzkistraße (Schlossstraße) war direkte Verbindung mit Niederschönhausen und weiter nach Buchholz, Blankenfelde
bzw. Rosenthal, über die Wilhelm Kuhr Straße kam man nach Spandau und über die Grabbeallee nach Lübars. Wer nach Heinersdorf und Weißensee wollte
nahm die heutige Hadlichstraße. Von der Schönhauser Allee kommend führt der Alte Handelsweg (Mühlenstraße) links von der Berliner Straße ab. Die
Berliner Straße entspricht hingegen dem preußischen Lineal (schnurstracks zum Schloss) und war seiner Zeit nur für die Kutschen des königlichen
Hofes zugelassen.
Der schon genannte Lehnschulze residierte auf dem Gutshof, der sich auf dem Areal zwischen Pankow Kirche der Schul- und Berliner Straße befand.
Dem damaligen Feudalherrn verpflichtet übte er seine durch den Markgrafen verliehene Macht an die in Pankow ansässigen Bauern, Kossäten und Bündner
aus. Neben der richterlichen Macht erhob dieser auch die Abgaben gegenüber den Pankower Bewohnern, hatte das örtliche Krugrecht inne. Sein Verdienst
setzte sich unter Anderem aus dem Anteil der Strafeinnahmen und aus dem Fleischzehnt bzw. jeder Tonne Bier des Krugpächters zusammen. Die damaligen
Bauern (auch Hüfner genannt) erhielten Land (Hufen/ 1 Hufen = 30 Morgen = 7,659 ha) zur Bewirtschaftung. Sie mussten jährlich den Zehnten vom
Getreide und Vieh bzw. den Ackerzins an den Lehnschulzen entrichten. Zusätzlich waren sie verpflichtet Spanndienst mit Pferd und Wagen gegenüber
dem Markgrafen im Kriegsfalle zu leisten, dem Besitzer des Lehnschulzengutes mehrmals in der Woche. Weitaus schwerer hatten es die Kossäten im
ehemaligen Dorf Pankow. Sie besaßen weder Anteile am Dorfacker und bei schlechter Wirtschaft konnte ihnen ihr kleiner Hof genommen werden. Neben
dem Grundzins entrichteten sie den Zehnten vom Gartenbau und Vieh und waren dem Lehnschulzen zu Handdiensten verpflichtet. Um ihr Einkommen
aufzubessern mussten sie sich zusätzlich beim Bauern bzw. Lehnschulzen als Tagelöhner verdingen. Noch ärmer traf es den Büdner (Tagelöhner) im
ehemaligen Dorf Pankow. Sie lebten in armseligen Hütten und arbeiteten beim ansässigen Gutsherrn. Mit dem Kauf durch Kaiser Karl IV. 1373 wurden
erstmalig genauere Beschreibungen der Besitztümer in Pankow angefertigt, wodurch auch Pankow erstmalig, wie schon erwähnt, genauer in seinen
Besitzverhältnissen beschrieben steht.
In der Nachfolge der Askaniern übernahmen Wittelsbacher und Luxemburger die Herrschaft über die damalige Mark Brandenburg und seinen Dorfgemeinden.
Dessen kriegerische Machtkämpfe, Brände und Krankheiten wirkten sich auch auf die Bevölkerung in Pankow nachteilig aus. So starben ganze Ortschaften
aus und verödeten im zunehmenden Maße. Der letzte Wittelsbacher Markgraf Otto, genannt "der Faule" verkaufte schließlich das als nicht
mehr abgabefähige Dorf Pankow 1370 an die Doppelstadt Berlin - Kölln. Durch die Raubzüge des Dietrich von Quitzow gegen das nahe liegende Berlin
erfuhr das Dörfchen Pankow einen weiteren Rückschlag durch Plünderungen. Die Brüder Quitzow waren hier die bekanntesten Raubritter des Niederbarnims.
Ihr Einzugsgebiet lag zwischen Berlin, Bernau und Oranienburg. Erst mit der Herrschaft der Hohenzollern in der Mark Brandenburg wurde die Mark von
den Raubrittern befreit, die durch das Barnimer Land zogen und die Dörfer plünderten. Es wird berichtet, dass "Ebel Dudek in dem Dorff czu
Pankow" zum neuen Lehnschulzen gehuldigt wurde. Der neue Landsherr "Kurfürst Johann Ciecero" ließ nahe der ehemaligen Klinik in der
Galenusstraße einen so genannten Vogelherd zum Fang lebender Vögel errichten. Ein Holzfachwerkhaus umgeben von einem Wassergraben des Pankeverlaufs
bildete dabei den zentralen Punkt. Der Kurfürst Joachim I. verkaufte im 16. Jahrhundert seinen Besitz in Pankow an seinen getreuen Diener und
Hofgesindt Dominicus Blankenfelde und schloß sich der Reformation an.
Erneute katastrophale Folgen brachte der dreißigjährige Krieg mit sich, dessen zwei Drittel der Bevölkerung im Barnimer Land zum Opfer fielen.
Söldnerbanden durchzogen das Land verwüsteten und entvölkerten die Dorfgemeinden. Einander feindliche Heere bezogen in den Dörfern um Pankow
Quartier. Große Kontributionen an Bargeld, Vieh und Getreide mussten die Dörfer entrichten. Es häuften sich Forderungen und Rechnungen zum Unterhalt
des Herrn Obristen Volkmans Regiment, des Vohl Edlen Gestrengen Vesten und Manhaften Georg von Porgsdorf Regiment. Gegen Ende des Krieges war die
Hälfte der Dorfbewohner von Pankow geflohen oder umgekommen die Häuser waren oft eingefallen und das Land verödet.
Durch die Siedlungspolitik der preußischen Könige wuchs die Bevölkerung in Pankow, sie ließen Parke anlegen und holten Hugenotten in das Land, die
in der unmittelbaren Umgebung (Buchholz) Landwirtschaft betrieben und somit zum wirtschaftlichem Aufschwung des Ortes beitrugen. Um die
landesherrliche Macht zu stärken und auszubauen, waren neue Siedler mit Geld nötig. Knapp 300.000 Kolonisten und Glaubensflüchtlingen aus
verschiedenen Ländern besiedelten die Mark Brandenburg. Zu einem Herrenhofgut wurden kurzerhand die verlassenen Bauernhöfe vereinigt. Verbliebene
Bauern wurden von ihren Höfen verjagt und zu Kossäten gemacht. Im Dorf Pankow waren vier Bauernhöfe und acht Kossätenhöfe verfallen. Mit dem Einzug
der preußischen Königin Elisabeth Christine in das Schloss Niederschönhausen mussten die Bauern aus Pankow unentgeltlich Dienste leisten, was zu
erheblichen Differenzen zwischen Pankower Bauern und dem königlichen Hofe. Ihr Gatte Friedrich II. zeigte Milde mit den Pankower Bauern und erließ
den Befehl, dass Bauern nicht mehr als drei bis vier Tage am Schloss dienen durften. Auch Strafschläge mit dem Stock wurden verboten. Höfe, die
ihre Abgaben nicht leisten konnten gingen an den Hof in Niederschönhausen über und wurden dann an wohlhabende Berliner verkauft. Zum Ende des 18.
Jahrhunderts waren im Dorf Pankow noch 14 Bauernhöfe und lediglich ein Kossätenhof bewirtschaftet.
Kavalierhaus Um 1763 entstand eines der bedeutendsten Baudenkmäler Pankows, das Kavalierhaus
(Hildbrandsche Villa), im friderizianischen Rokoko, als Sommersitz für einen reichen Berliner Kaufmann. Große Namen, wie Dichter Achim von
Arnim, Kaufmann Carl Phillipp Möring, und dem Begründer der Hohenzollernbibliothek Charles Duvinage diente das Haus in Pankow als Wohnstätte.
Der letzte bekannte Inhaber war Schokoladenfabrikant Richard Hildebrand. Typische Formen für Kavalierhäuser sind die siebenachsige Form des
Gebäudes, das Krüppelwalmdach und die barocke Freitreppe. Vor dem Gebäude reihen sich vier Kopien von Putten auf Sockeln aneinander und
symbolisieren die Temperamente der menschlichen Psyche. Die im 18. Jahrhundert vom Dresdner Hofbildhauer Gottfried Knöffler (Werkstatt Schlüters)
entstandenen Originale stehen in der Skulpturensammlung des Bodemuseums. Hinter den Türen des Kavalierhauses verzaubert das Innere mit reizvollen
Rokokoelementen. Zur Gründerzeit Mitte des 19. Jahrhunderts zeigte es deutliche Abnutzungserscheinungen und war vom Abriss bedroht. Nach Ende des
2. Weltkrieges nutzte die Groß - Berliner Sozialhilfe das Haus bis es schließlich den Pankower Bürgern als Hort für ihre Kinder zur Verfügung
gestellt. 1998 erwarb die Caritas Krankenhilfe Berlin e. V. das Kavalierhaus und sanierte es nach Vorgaben des Denkmalschutzes.
Für die Bewohner des Dorfes Pankow kam die Erlösung vom Joch der Erbuntertätigkeit mit dem Oktoberedikt von 1807. Mit dem Sieg der napoleonischen
Truppen über das preußische Herr und dem Einzug in Berlin. Die herrschende Feudalklasse konnte sich der kapitalistischen Entwicklung nicht mehr
entgegenstellen. Mit Landabgabe und Geldzahlungen konnten sich Pankower Bauern von ihren Verpflichtungen teilweise loskaufen. 1813 zogen russische
Truppen durch das Dorf Pankow um den napoleonischen Angriff auf Russland zurückzuschlagen und die französische Besatzung Berlins anzugreifen halfen
die einige Pankower mit tatkräftiger Unterstützung. Die Geschicke des Dorfes Pankow lag nun in den Händen der stimmberechtigten Grundansässigen. Das
Vorstandsbüro der Gemeinde befand sich in der Schlossstraße 12, wo auch das Standesamt untergebracht war. Später zog man in die Breite Str. 6, wo
der amtierende Gemeindevorsteher auch eine Wohnung bezog. Der erste Gemeindefriedhof entstand 1841 westlich von der Landgemeinde Pankow an der
heutigen Wilhelm Kuhr/Ecke Parkstraße. Die Begräbnisstätte an der Kirche wurde zu klein und musste auch wegen einer bevorstehenden
Kirchenerweiterung 1857/59 verlegt werden. Hierzu wurde das benötigte Stück Land vom Gutsherrn kostenlos zur Verfügung gestellt. 1865 erhielt der
Friedhof eine dazugehörige Kapelle, die ihren Platz am Ende der Allee fand.
Wochenmarkt Um 1850 war Pankow schon ein sehr beliebter Ort. Viele Berliner strömten 1857 entstand der
noch heute beliebte Pankower Wochenmarkt. Dies war nötig, weil Omnibusfahrer Berliner Dienstboten untersagten Warenkörbe mitzunehmen. Der Markt wurde als Ergänzung
zu den Pankower Geschäften rund um den Anger eingerichtet und bot den Bauern der umliegenden Landgemeinden einen Platz ihre landwirtschaftlichen
Produkte anzubieten. Dort waren auch die Blumen- und Gemüsebauern aus Französisch Buchholz zu finden. In späteren Jahren bietet Paul Lebus seine
Blumen feil und wurde durch seine heiteren Sprüche zum Original auf dem Pankower Wochenmarkt. Um einer Dame darauf hinzuweisen, dass sie die Blume
nicht von unten gegossen werden darf kam er mit dem Spruch "Junge Frau, trinken sie mit de Füße?". Bis in die heutige Zeit hat der
Wochenmarkt in Pankow seinen Platz im alten Dorfkern erhalten und ist nunmehr der älteste Wochenmarkt von Berlin.
Nantelied
Det beste Leben hab ick doch,
ick kann mir nich beklagen,
pfeift och der Wind durchs Ermelloch,
det will ick schon verdragen.
Det Morgens, wenn mir hungern tut,
eß ick ne Butterstulle;
dazu schmeckt mich der Kümmel jut,
aus meine volle Pulle.
Ein Eckensteher führt auf Ehr,
det allerschönste Leben,
Man friert anjetzt zwar manchmal sehr,
doch bald is det zu heben.
Von außen hau ick mit de Faust,
mir in de Seit' und und Rücken,
un wenn een Schneegestöber saust,
muß Kümmel mir erquicken.
Ick sitz mit dem Kameraden hier,
mit alle, groß und kleene;
Beleidigt ooch mal eener mir,
so stech ick ihm gleich Eene.
Un drag ick endlich mal wat aus,
so kann ick Groschen kneifen,
hol wieder meene Pulle raus,
und duhe Eenen pfeifen.
Am Weihnachtsfeste hab ick Ruh,
von wegen meiner Ollen;
sie wäscht und plätt' und spuhlt dazu,
un ick helf manchmal rollen.
Un kommt der Christmarkt erst heran,
gibt´s allgemeinen Frieden:
sie macht Rosinenmänner dann,
un ick bau Pergamiden.
Ick seh manchmal, wenn große Herrn
hinein ins Wirtshaus gehen,
da steh ick denn so still von fern,
duh auf den Kümmel sehen.
Un denk bei mir,´s janz ejal,
ob Wein, ob Schnaps im Glase,
von beeden kriegt man allemal,
doch eene rote Nase.
(Glaßbrenner & Beckmann)
Gründerzeit Die Gründerjahre im Dorf Pankow erreichten die Bewohner nach der Reichsgründung durch
Bismark 1871 und der Erhebung Berlins zur Reichshauptstadt des Kaiserlichen Deutschlands. Vor den Toren der Stadt begann der Bau des heutigen
Prenzlauer Bergs, welcher sich von Mitte aus über die Rosenthaler Vorstadt voran schob und über die heutige Schönhauser und Prenzlauer Allee in
Richtung Pankow erweiterte. Dabei gewann auch Pankow zunehmend an Bedeutung. War Pankow einst für das sonntägliche Landvergnügen der Berliner
zuständig entstanden vermehrt Villen in dem Vorort von Berlin Industrien wurden aus Berlin mit den viel zu engen Kapazitäten an den Stadtrand
verlegt und der Arbeiter frönte sein Wochenende in seinem eigens angelegten Schrebergarten, die noch heute in der Heynstraße/Ecke Floraprommenade
oder am Schloßpark zu finden sind. Es entstanden die schönen architektonischen Bauten um Nordend, Amalienpark und die Beamtensiedlung in der
Grabbeallee. Mit der Ausdehnung der Berliner Bauordnung von 1887 wurde auch in Pankow der Weg frei gemacht fünfstöckige Mietshäuser mit
Seitenflügeln und Hinterhäusern zu bauen. Dies setzte sich aber wie im Prenzlauer Berg bekannt nicht durch. Es entstand der heutige Bürgerpark,
der in der Mitte der Aue befindliche Pfuhlteich wurde zugeschüttet. Mitten auf dem Marktplatz entstand gleich hinter der Pfarrkirche eine neue
Schule. Südlich der Kirche entstand das neue Pfarrhaus welches das Alte ersetzte. Und schließlich nahm das selbstständige Postamt nebst
Telegrafenverbindung mit Berlin seine Arbeit auf und löste den Landbriefboten der zuvor zwischen Berlin und Pankow fungierte ab.
Amalienpark Eine noch heute erhaltene Art von landhausartigen Mietshäusern findet man in den 1896/97
erbauten und gestalteten Amalienpark, der nach englischem Vorbild erschaffen und seinen Namen der Prinzessin Anna Amalia von Preußen gewidmet
wurde. Der ehemalige Gutshof Stosch wurde 1895 von Investoren gekauft und die Landhaus Baugesellschaft Pankow wurde mit der Errichtung des
Gebäudeensemble beauftragt. Federführend war der Architekt Otto March, welcher für Entwurf und Bau verantwortlich war. Um einen Platz, der
parkähnlich mit altem Baumbestand bestückt war wurden neun villenartige Doppelhäuser gebaut. Als Vorzeigeobjekt zur 1. Deutschen
Städtebauausstellung 1910 diente das Objekt zur Alternative seinerzeit typischer Mietskasernen. In Pankow zeichnete sich auch deutlich eine
soziale Gliederung in der Siedlungsstruktur ab. Während die Gegend um die Schlossstraße als das Geheimratsviertel bezeichnete, nannte man das
Gebiet um Wollank- und Florastraße das Zickenviertel. Der Amalienpark wurde nach 1990 wieder originalgetreu saniert und wird seitdem von einer
gemeinnützigen Stiftung geführt, dessen Überschüsse in Seniorenzentren fließen.
In der Grabbeallee entstand nach Entwürfen des Architekten Paul Mebes ein bemerkenswertes Beispiel für modernen Wohnbau als Antwort auf die
Mietskaserenstruktur des Prenzlauer Bergs. Mebes stützte sich dabei auf Pläne des Architekten Alfred Messel, der schon im ausklingenden 19.
Jahrhundert einen Ideenplan für eine Blockbebauung ohne Hinterhöfe entwickelte. So entstand eine in sich geschlossene Wohnsiedlung aus dreistöckigen
Häusern ohne Hinterhöfe. Unter Verwendung von Rathenowern Handstrichziegeln ist eine noch heute erhaltene Materialstilarchitektur entstanden. Die
Fassaden wurden durch Zierplastiken des Bildhauers Walter Schmarje bereichert.
Die Kleingartenwirtschaft nahm in Pankow ebenfalls einen großen Stellenwert ein. Nach Spandau verfügte Pankow über die meisten
Schrebergartenflächen, die der Losung "Ziehe nach Pankow - gesündester Vorort im Norden" gerecht wurde. Dies wurde damals auch gefördert
um den kleinen Mann abzulenken für seine bürgerlichen Rechte einzutreten. Schließlich dienten sie auch in den Kriegsjahren als lebensnotwendige
Quelle für Nahrungsmittel. Ferdinand Beier, Geschichtsschreiber von Pankow resümiert mit den Worten "Unser Ort lag wie ein großer Garten im
Grünen". Die Innung der Raschmacher (Wollweber) veranstalteten damals ihr "Pankower Fliegenfest". Ein mit einer Kapelle bestückter
Kremser fuhr aus Berlin kommend nach Pankow. Ihm folgten die Meister und dessen Gesellen in Kleidung von Rittern und Knappen aus der
mittelalterlichen Zeit. Bei "Lindner" schließlich feierte die Gesellschaft bei Kaffee, Gesang und Tanz bis in die Nacht hinein. Weitere
Lokalitäten waren das Lokal "Zum Kurfürsten", "Zum Wollank", "Bärwald`s Gesellschaftshaus", "Waldschenke", "Strauchwiese",
"Schüssler", "Bellevue" und das "Wirtshaus zum Pankgrafen".
Um die örtliche Wasserversorgung in Pankow wurde sich 1882 gekümmert. In der Galenusstraße entstand das Pankower Wasserwerk. Professor Mendel
förderte das Vorhaben und schenkte Pankow zu diesem Zweck zwei Morgen Land. Für den richtigen Druck sorgte 1892 in der Trelleborger/Ecke Thulestraße
in Betrieb genommene Wasserturm, der auf der höchsten Erhebung von Pankow stand. 1893 verkündete der Gemeinderat von Pankow feierlich, dass das
Wasserwerk nebst Kanalisation in Betrieb genommen wurde. Nur achtzehn Jahre war das Wasserwerk in Betrieb, bis es der Nachfrage nicht mehr
standhielt. So musste eine neue Wasserstelle gefunden werden, die sich dann auch im Gutsbezirk Stolpe bei Hohen Neuendorf fand. Mit der
Eingemeindung zu Berlin übernahm die Stadt die Versorgung von Pankow und baute das Stolper Wasserwerk großzügig aus. Über das Wasserwerk in der
Galenusstraße kam der Dornröschenschlaf und bevor es abgerissen wurde diente es eine Zeitlang als Lager für Fleischwaren und erhielt von den
Einwohnern den Scherznamen "Pankower Schlachthaus". Für das Abwasser war die Kläranstalt in der Schulzestraße verantwortlich, bis sie
ebenfalls an ihre Kapazitätsgrenze stieß und sich Pankow an dem Rieselsystem von Berlin beteiligte und in Mühlenbeck und Schönwalde die
entsprechende Grundstücke erwarb. Diese Felder reichten bis an die Grenzen in Niederschönhausen und Nordend, so dass bei ungünstiger Windlage
der Mief durch Pankow zog.
Industriell wurde Pankow durch eine Schultheiss Melzerei (Mühlenstrasse), der Bergmann Elektrizitätswerke AG (Wilhelmsruh) und der Zigarettenfabrik
Garbaty ergänzt, welches im Zuge weitere Bewohner nach Pankow zog. Die Schultheiss Brauerei, der größte Braubetrieb Berlins, übernahm eine ehemalige
Malzfabrik, die durch ihre burgähnliche Klinkerverblendbauweise, zinnenartigen Aufbauten, ihren Schloten und Türmchen zu den bedeutendsten
Industriebauten Pankows zählen. Die Mälzerei stellt eine typische und historische Form der Industriearchitektur des 19. Jahrhundert dar. Im Stil
des Neoklassizismus entstand 1906 in Pankow auch das Fabrikgebäude der Zigarettenfabrik Garbàty nach Entwürfen des Architekten Paul Überholz. Sie
diente der Zigarettenproduktion jüdischer Einwanderer aus Weißrussland, dessen Sohn Josef seine Unternehmensgründung in der Linienstraße in Mitte
hatte und nach der ersten Verlagerung in die Schönhauser Allee schließlich in Pankow seine erste Fabrik baute und betrieb. Zu der Fabrik wurde auch
die neobarocke Villa Garbàty, die für den Bankier und Rechtsanwalt Salomonsohn errichtet wurde. Den Allgemeinen Radwanderungen der Industrie folgte
auch die Bergmann Elektrizitätswerke AG Berlin und erweiterte ihre Berliner Anlagen mit dem Bau eines neuen Standortes im Pankower Ortsteil
Wilhelmsruh. Der Bau und die Ausrüstung von elektrischen Straßenbahnen und Lokomotiven, sowie später die Fabrikation von Dampfturbinen waren die
Tätigkeitsfelder des Industriebetriebes. Auf dem Grundstück Flora/Ecke Gaillardstraße gründete sich 1894 die Firma Ernst Hildebrandt mit der
Produktion von keramischen Gasglühlichtartikeln. Aus diesem Unternehmen ging 1910 die "Vereinigte Magnesia Co. & Ernst Hildebrandt
AG" hervor, die führend bei der Herstellung von hochwertigen Isolatoren für die Elektrowärmetechnik der chemisch metallurgischen Industrie
war. 1921 entwickelte sich dann die "Steatit Magnesia AG" (Stemag), dessen Zentrale in Pankow beheimatet war. Als Hutformenfabrik und
Eisengießerei wurde durch Alexander Kremener ab 1902 Teile des Werksgelände geführt, der in der Gaillardstraße 34/35 seinen Betrieb hatte. Die
Stemag kaufte 1932 von Alexander Kremener das Gelände zu und firmierte fortan als "Dralowid" (Drahtlose Widerstände). Nach dem Krieg
gründete sich der volkseigene Betrieb "Elektrokeramik" und produzierte keramische Teile für Elektrowärme und Hochfrequenztechnik. Weitere
Betriebe waren eine Ledergerberei in Heinersdorf, VEB Industriebürsten Berlin in der Heynstraße und das Niles Pressluftwerkzeuge Werk in der
Hadlichstraße.
Mit der Grundsteinlegung am 12. Juli 1901 erhielt Pankow stattlichen Bau. Das Niederbarnimer Kreisblatt würdigte es mit den Worten;
"Die festliche Grundsteinlegung ... bildet für die hiesige Bevölkerung ein geschichtliches Ereignis ersten Ranges. Auf dem bunt geschmückten
Bauplatz fanden sich die Mitglieder der Gemeindevertretung und geladene Gäste ein und legte nach der Rede des Bürgermeisters eine kupferne Kapsel
in die Höhlung eines der Turmpfeilers. Mit den Worten "Vom Leben aus, zum Leben hin, lebendig immerdar" schlug der Bürgermeister die drei
Hammerschläge aus. Mit dem Choral "Nun danket alle Gott" blies die Kappelle auf bis schließlich der Pastor Beyer "Den Bau zum Schutze
des Höchsten" empfahl und wünschte den allen derzeitigen und zukünftigen Pankowern "Das gute Gedeihen des Ortes alle Zeit erleben mögen.
Nach dessen Einweihung lockte es zahlreiche Neugierige nach Pankow und seinem Rathaus, dessen Ratskeller mit nunmehr elektrischer Beleuchtung im
hellen Glanze erstrahlte und der ersten sensationellen Trauung im heute noch beliebten Standesamt.
Die Gerichtsbarkeit in Pankow fand um 1906 nach 4jähriger Bauzeit auch ein neues Zuhause. Im Stil des fränkischen Barocks und Jugendstil entstand
durch Rudolf Mönnich ein dreiflügeliges repräsentatives Gebäude, in einer typischen Stilvielfalt der Wilhelminischen Epoche. Das Gefängnis und das
örtliche Gericht wurde hier untergebracht. In der Görschstrasse entstand 1909/10 der zur damaligen Zeit größte Schulkomplex von Pankow. Mit Motiven
aus der Sagen- und Märchenwelt baute Carl Fenten, unter Zusammenarbeit mit den Architekten Rudolf Klante und Eilert Franzen, den Schulkomplex im
Stil der Neorenaissance. Die Innengestaltung, gemäß der Jahrhundertwende, wurde in Klassizismus, Romanik und Gotik gestaltet. Das königliche
Hauptzollamt findet man gleich nebenan. Zu den großen Häusern Pankows zählt auch das von Alexander Beer 1913 errichtete Waisenhaus in der Berliner
Straße, Nähe Bahnhof Pankow. In diesem neobarocken Stil erbauten Haus fanden Waisen ukrainischer Juden ein neues Zuhause. Durch die
Nationalsozialisten geschlossen und vom Reichssicherheitshauptamt übernommen zog nach Ende des 2. Weltkrieges das Bezirksamt Pankow ein bevor es ab
1952 Sitz der polnischen und später der kubanischen Botschaft diente. Soziale Einrichtungen und eine Bibliothek sind heute in diesem Haus zu finden.
Unter Federführung des Baumeisters Carl Schmidt wurden in der Florapromenade der Klinkerbau für die Ortskrankenkasse errichtet und in der
Grunowstraße entstand ebenfalls im Klinkerbau, das Gesundheitshaus. In der Berliner Straße nahm 1912 das Postamt seine Arbeit auf.
Der erste Weltkrieg traf auch Pankow mit all seiner Härte. Am Rathaus sammelten sich tausende Kriegsfrauen in den Morgenstunden, um mit ihren
verschiedenen Lebensmittel-karten den täglich rationierten Lebensunterhalt abzuholen. Die Arbeit an Bauten in Pankow kamen zum Erliegen, weil die
Männer an die Front berufen wurden und auch Beamte wurden nicht verschont. So wurde Frauen als Hilfskräfte für die Bewältigung der Aufgaben in der
Verwaltung herangezogen.
Im Jahre 1920 wurden im preußischen Abgeordnetenhaus das Gesetz über die Bildung einer neuen Stadtgemeinde Berlins verabschiedet, dessen Folge
die Eingliederung von Pankow mit seinen Gemeinden Blankenburg, Karow, Buch, Niederschönhausen, Rosenthal, Buchholz, Heinersdorf und Blankenfelde
als 19. Verwaltungsbezirk einging. Ernst Böhm wurde zu dessen Direktor ernannt und rund 600 Beamte unterstanden ihm. Der Mietskasernenbau im
Prenzlauer Berg rückte an die Grenzen Pankow und die ehemaligen Stadtgrenzen verschwammen zunehmend, es gab keine Stadtmauer mehr und Berlin ging
fließend über Pankow und seine ehemaligen Landgemeinden in das Ländliche Barnimer Land über. Einzig erhalten blieb im Zuge der Eingemeindung die
dörflichen Charakter der Pankower Gemeinden und der alte Ortskern um den Pankower Wochenmarkt. Auf das Pankower Rathaus kamen neue Aufgaben hinzu,
so dass es erforderlich war das Rathaus Pankow zwischen 1927 und 29 an der Neuen Schönholzer Straße zu erweitern. Nach den Plänen der Architekten
Klante und Poeschke und unter Leitung des Baumeisters Schmidt wurde der Anbau mit rotbraunen Verblendern und einem Granitsockel gebaut.
Zweiter Weltkrieg Mit der Machtergreifung der Nazis begann auch in Pankow die Verfolgung von
Juden und Andersdenkenden. Die NSDAP übernahm die Macht als Adolf Hitler 1933 zum Reichskanzler ernannt wurde, das demokratische Parteiensystem,
welches damals aus über dreißig Parteien bestand wurde verboten. Mit Ausbruch des 2. Weltkrieges flüchteten viele Pankower wegen der zunehmenden
Bombenangriffe in ländliche Gebiete. Zwangsarbeiter wurden in die Stadt geholt und wurden in Lagern auf dem ehemaligen Vergnügungsgelände
"Traumland" in der Schönholzer Heide untergebracht. Wegen der zunehmenden Bombenangriffe und der vielen Flüchtlinge aus dem Stadtgebiet
von Berlin kam es zunehmend zur Not an Wohnraum, denn auch Pankow blieb vor Bombenangriffen nicht verschont. So wurden Häuser und das Verkehrsnetz
schwer beschädigt. Das Rathaus von Pankow wurde zur zentralen Verteidigung umfunktioniert, Beamte und Polizisten wurden kurzerhand kaserniert und
nicht ortsgebundene Dienststellen wurden evakuiert. Es wurden in den Straßen von Pankow Panzersperren errichtet, in den Parks Schützengräben
ausgehoben und an der Kirche ein Panzer eingegraben um den Vorstoß nach Wedding zu verhindern und der letzte Bürgermeister befahl eine große
Aktenvernichtung auf dem Hofe des Pankower Rathauses kurz vor Ende des Krieges. Die Kapelle, auf den Bürgerpark angrenzenden alten Gemeindefriedhof
brannte bis auf die Grundmauern herunter.
Mit dem Ende des Krieges begann eine neue Zeit für den Stadtteil Pankow. Berlin wurde von den Siegermächten in Besatzungszonen aufgeteilt. Von
nun an zählte Pankow zu der Sowjetischen Militäradministration und im Eckhaus Florastrasse 79 tagte Anfang Mai 1945 das Volkskomitee, welches dann
Kontakt mit der sowjetischen Kommandantur aufnahm, die im Rathaus Quartier bezogen hatte. Der erste Kommandant in Pankow hieß Oberstleutnant Petkun
und vollzog die erste Amtshandlung, der Einzug aller Waffen, Radios und Fotoapparate. Schreibmaschinen sollten angemeldet werden. Er bildete eine
Körperschaft, die der Versorgung der Bevölkerung in Pankow diente. Der Bezirk Pankow war der Erste, der seine Kinder wieder zum Schulbesuch
aufgerufen hatte. Der Unterricht fand auf Wiesen und Plätzen, in den Wohnungen der Lehrer oder auf den Treppen der teilweise zerstörten Schulen
statt. Im Jahre 1947 fanden in Pankow Kriegsverbrecherprozesse gegen Lagerkommandanten und Wachpersonal des ehemaligen KZ Sachsenhausen im Rathaus
statt. Durch die Folgen des 2. Weltkrieges und der Aufteilung der Stadt in Sektorengrenzen wurde das Pankower Gebiet westlich der Nordbahn an den
Bezirk Wedding abgegeben und Wilhelmsruh aus dem Amtsbezirk Reinickendorf wieder in Pankow übernommen. Die Türme der Pfarrkirche wurden stark
beschädigt und nun verkürzt wieder aufgebaut. Im nordwestlichen Teil der Schönholzer Heide entstand nach Entwürfen sowjetischer Architekten ein
Soldatenfriedhof nebst sowjetischem Ehrenmal. Der Bau wurde im Mai 1947 begonnen und im November 1949, kurz nach Gründung der DDR im Oktober 1949
fertig gestellt. Auf diesem sind 13.200 gefallene sowjetische Soldaten beigesetzt. Am Rathaus von Pankow hängte man ein riesiges Stalin Portrait
auf, welches Tag und Nacht angestrahlt wurde.
Die Versorgung von Pankow war wie vielerorts katastrophal. Gas- und Stromversorgung war zum Erliegen gekommen. Zwar brannten schon Ende Mai die
ersten Lampen, doch die Sperrstunden trafen meist auch die dunklen Zeiten. Das örtliche Gas war erst im Februar 1946 verfügbar. In den Straßen von
Pankow fielen viele Bäume dem Brennstoffbedarf der Einwohner zum Opfer, angelieferte Brennstoffe auf dem Güterbahnhof zwischen Pankow und Pankow -
Heinersdorf mussten bewacht werden, weil immer wieder nachts Holz und Kohlen gestohlen wurden. Die Wasserversorgung konnte schon im Juli 1945 weites
gehend wiederhergestellt werden. Die Abwässer dagegen wurden ungeklärt in die Panke geleitet, da auch das Pumpenwerk schwere Schäden im Krieg
erlitt. Der Schulbetrieb konnte schon wenige Tage nach Kriegsende in Pankow aufgenommen werden. Aus den Ostgebieten kamen im Sommer 1945 vermehrt
Flüchtlinge zurück, die in Pankower Schulen eine erste Unterkunft fanden. Die Versorgung der Bevölkerung in Pankow wurde mit der Ausgabe von
Lebensmittel-, Kohlen- und Bekleidungskarten geregelt.
Nach der ersten demokratischen Wahl in Pankow seit Kriegsende ging Erich Ryneck von der SPD als Wahlsieger hervor und übernahm fortan die
Amtsgeschäfte als Bürgermeister von Pankow. Mit der Gründung der DDR zog das Bezirksamt Pankow (später Rat der Stadt Pankow) in das Rathaus ein und
dessen Übernahme wurde offiziell am 18. Januar 1950 durch den Bezirkskommandanten mit Schlüsselübergabe besiegelt. Das Schloss Schönhausen wurde
Amtssitz des Präsidenten der DDR und Pankow erfuhr erstmals an Weltbedeutung. Die Regierung ließ sich im volksmündlich genannten "Städtchen"
nieder und viele ausländische Vertretungen eröffneten in Pankow ihre Residenzen.
Freibad Mit dem ersten Spatenstich durch Otto Grotewohl, Ministerpräsident der DDR begann die Geschichte
des Freibades Pankow zwischen Amalienpark und Schlosspark. Nördlich der Wolfshagener Straße, also unweit des ersten Pankower Wasserwerkes entstand
das Freibad Pankow nach Entwürfen der Architekten Walter Hinkefuß, Heinz Graffunder und Joachim Streichhahn. Freiwillige Helfer leisteten über
200.000 Aufbaustunden und das Freibad wurde das größte Vorhaben im Nationalen Aufbauwerk. Zwei Jahre später, nach Fertigstellung des Sommerbades
nebst Schwimmhalle für den Winter eröffnete der Oberbürgermeister von Ostberlin Friedrich Ebert das Freibad und gab zu, dass dieses Bauprojekt
trotz freiwilliger Aufbauarbeit unzählige Mittel verschlang. Im Sommer 1995 trübten schlechte Nachrichten die Freude der täglich bis zu 15.000
Badegäste. Das Badewasser im Freibad wies zu viele krebserregende Trihalomethane auf und überschreitet die vorgegebenen Richtwerte um das
Zwölffache. Anstatt die Becken mit neuem Frischwasser aufzubereiten zog man es aus Spargründen vor in die Becken mehr Chlor einzuleiten.
Zwischen 1958/60 entstand In den siebziger Jahren wurde das Bad mit einer Schwimmhalle für die Herbst-, Winter- und Frühjahrmonate
erweitert.
Zu einer Schlagzeile in der Berliner Zeitung brachte es das Freibad am 15. Juli 2006. So ist zu lesen; "Die Polizei räumt das Freibad
Pankow, 200 Jugendliche randalierten und pöbelten"
Ein Großaufgebot der Polizei hat am Donnerstag das Freibad Pankow geräumt. Zuvor hatten in dem Bad in der Wolfshagener Straße gegen 17 Uhr rund
200 türkische und arabische Jugendliche randaliert. Sie rissen Absperrseile und Halterungen an Sprungtürmen und Rutschen aus den Verankerungen.
"Sie warfen sie ohne Rücksicht auf Badegäste ins Schwimmbecken", sagte ein Polizeisprecher am Freitag. "Die Anweisungen des
Personals ignorierten die Randalierer komplett." Mitarbeiter des Bades alarmierten die Polizei.
Als die ersten Beamten eintrafen, flüchteten die Randalierer vom Becken in Richtung Liegewiese. Lediglich ein 16-Jähriger konnte dort als Täter
wieder erkannt und festgenommen werden. Nach Feststellung seiner Identität durfte er wieder nach Hause gehen. Das Freibad wurde gegen 17.30 Uhr
geschlossen. Mehrere tausend Besucher mussten das Bad verlassen. "Für die nächsten Tage haben wir den Sicherheitsdienst verstärkt", sagte
der Vorstand der Berliner Bäderbetriebe (BBB), Klaus Lipinsky, am Freitag. "Unterstützt werden sie auch von zwei Hundeführern. Wir werden
Randale nicht tolerieren."
Vor sechs Jahren bauten die Bäderbetriebe für elf Millionen Mark das Freibad zu einem Erlebnisbad mit vier Becken und großer Rutsche um.
Seitdem ist es für viele Jugendliche, vor allem türkischer Herkunft, zum beliebten Treffpunkt geworden. Des Öfteren geraten dort jedoch
verschiedene Jugendgruppen aneinander und es wird gepöbelt.
Anfang der Sechziger Jahre schließlich schnitten die Machthaber an den Bezirksgrenzen Pankow, Schönholz, Wilhelmsruh, Rosenthal und Blankenfelde
die Westberliner Bezirke durch den Mauerbau ab, da zu viele Ostberliner die sowjetische Sektorengrenze aus wirtschaftlichen Gründen verließen. Der
Betrieb der Heidekrautbahn entlang von Rosenthal und Wilhelmsruh wurde ein-gestellt und die Bahnhöfe Wollankstraße, Schönholz und Wilhelmsruh waren für Pankower Bürger
versperrt. Pankower, die in Westberlin arbeiteten mussten sich einen neuen Arbeitsplatz in Ostberlin suchen oder flüchteten in den Westen. Teile
Pankows wurden mit dem so genannten Gebietsaustausch verändert, das Gebiet jenseits der Wollank- bis Soldiner Straße wurde dem Bezirk Wedding
zugeordnet im Gegenzug kam Wilhelmsruh, welches zu Reinickendorf gehörte zum Bezirk Pankow Erst am 9. November 1989 öffneten sich nach der
politischen Wende die Grenzen gen Westen.
Friedhof No 1 Auf dem ehemalige Gemeindefriedhof am Bürgerpark lief 1970 die letzte Grabstelle aus.
Der Friedhof war nun weit über 100 Jahre alt und trägt in seiner Bestandsliste unter Anderem große Pankower Namen, die den Ort nachhaltig prägten.
Der Parkbauer Hermann Killisch von Horn (Bürgerpark), sein langjähriger Gartenfreund und Weggefährte Wilhelm Perring, der Millionenschulze und der
erste gastronomische Pächter des Parks fand hier seine letzte Ruhe. Der letzte Beigesetzte war der Kammervirtuose und Kapellmeister William Wolff,
er wurde 1963 zu Grabe getragen. Geht man über diesen Friedhof, so kann man die Geschichte spüren und mit jeden Namen an den Tafeln und Kreuzen
ablesen. Die zum Friedhof gebaute Kapelle wurde in den 30er Jahren saniert wurde aber während des 2. Weltkrieges erneut beschädigt. Ihr Ende nahm
sie dann Mitte der 50er Jahre, wo sie wegen zunehmender Baufälligkeit abgerissen wurde. An dessen Stelle wurde ein Durchgang zum angrenzenden
Bürgerpark geschaffen. Weiteren Schaden nahm der Friedhof mit dem Sturm im Herbst 1972, als Bäume abknickten und Grabstellen zertrümmerten. In den
Folgejahren erfolgte eine behutsame Umgestaltung zu einer Parkanlage, ohne dass der Charakter der Stätte zerstört wurde.
Am 1. Mai 1979 eröffnet die 999. Kaufhalle der DDR in Pankow gegenüber vom Pankower Wochenmarkt und galt als größte Kaufhalle von Berlin...
Politische Wende Die letzte Sitzung des Rat des Stadtbezirkes Pankow fand am 12. November statt,
dessen Ablösung durch "Runde Tische" vollzogen wurde um ein Machtvakuum zu vermeiden. Hier versammelten sich die Vertreter der
Parteien, Kirchen, Verbände, Bürgerbewegungen und Oppositionelle um über die Zukunft der DDR oder über eine mögliche Wiedervereinigung beider
deutscher Staaten zu diskutieren. Initiiert durch die evangelische Kirche, nach polnischem Vorbild, begannen die Gespräche zwischen den Vertretern
und den alten Machthabern, die zeitgleich im Fernsehen übertragen wurden. Viele Menschen verloren mit der politischen Wende ihre Arbeitsplätze,
mussten sich neu orientieren und gingen zahlreich in den Westteil oder in die Bundesgebiete um eine neue Beschäftigung zu finden. Die ehemaligen
volkseigenen Betriebe wurden von der Treuhand verwaltet und an Privatinvestoren verkauft bzw. konnten mit neuen Konzepten sich erfolgreich in der
Marktwirtschaft positionieren. Betriebe wie die Lederfabrik im Ortsteil Französisch Buchholz, VEB Industriebürsten in der Heynstraße, VEB Vereinigte
Zigarettenfabriken in der Hadlichstraße und das VEB Elektrokeramik Berlin in der Gaillardstraße mussten ihre Tore schließen. Alteigentümer machten
ihre Ansprüche an Grundstücken und Immobilien geltend und die Regale in den ehemaligen HO und Konsum - Kaufhallen wurden bunter.
Seit der politischen Wende hat sich viel im Bezirk Pankow getan. Die wunderschöne Architektur der Gründerzeit wurde umfangreich restauriert. Das
Verkehrsnetz welches mit dem Mauerbau unterbrochen wurde wieder geschlossen, die U - Bahn wurde zum S - Bahnhof Pankow verlängert und rund um den
ehemaligen Dorfanger entstand eine Einkaufsmeile.
Großbezirk Im Zuge einer erneuten Verwaltungsreform 2001 wurde der Bezirk Pankow um die Bezirke
Weißensee und Prenzlauer Berg zum Großbezirk Pankow. Um den zukünftigen Namen des neuen Großbezirks wurde heftig gestritten. Was viele Bürger
aus den Stadtteilen Pankow, Weißensee und Prenzlauer Berg gelassen sahen veranlasste vielen kommunalen Abgeordneten zu heißen Diskussionen über
die zukünftige Bezeichnung des neuen Großbezirks. Ohne das über einen zukünftigen Namen abzustimmen wurden ganz selbstverständlich
Wahlbenachrichtigungen mit dem Namen Pankow versandt, was zahlreiche Bezirksverordneten auf den Plan rief. Jeder ehemals eigenständige Bezirk
brachte sich in die Namensdiskussion um Pankow ein und wollte eigene Interessen durchsetzten. So kamen Kuriositäten wie Spreeathen - Nord, Pan -
Berg, Weißlauerpank, Pankweißenberg, Wei - Pan - Berg, Kollwitzbezirk, Spitze, Dritter Bezirk, Schönhausen und Barnim - Vorstadt zu Stande.
Schließlich dachte man über eine Bürgerbefragung nach, eine Initiative sammelte für einen neutralen Namen Unterschriften und im Thälmannpark
(Prenzlauer Berg) lieferten sich eine Gruppe von Menschen eine Gemüseschlacht und forderten, dass ganz Berlin Pankow heißen solle. Zum Höhepunkt
kam es dann während einer Sitzung zur BVV als Mitglieder am Betreten des Saales gehindert wurden und die "interfraktionelle
außerparlamentarische Oppositionsgruppe" den Namen Kasperhausen vorschlug. Schließlich trennte man sich 2001 aufgrund einer
Unterschriftensammlung vom Namen Pankow und der Bezirk sollte fortan "3. Prenzlauer Berg, Weißensee und Pankow von Berlin" sich nennen.
Der damals amtierende Bürgermeister Alex Lubawinski wollte unter diesen "Bandwurmnamen" seine Amtsgeschäfte nicht mehr weiter fortführen.
Eine Bürgerumfrage sollte letztendlich eine Entscheidung herbeiführen. Die Umfrage des amtierenden und die geplante Umfrage des neuen Bürgermeisters
von Pankow blieben bei einer Idee. 2002 wurde von der Initiative "Pankow bleibt" ein Bürgerbegehren eingereicht, dieses scheiterte an der
Gültigkeit der Unterschriften. Immer mehr machte sich der Unmut unter der Bevölkerung breit, ob die örtlichen Politiker keine anderen Probleme sehen,
als um einen neuen Namen für den Bezirk Pankow zu streiten. Letztendlich blieb es bei dem Namen Pankow und es wurde verhindert, dass immense Kosten
für das Drucken von Geschäftsvordrucken verschleudert wurden.
Das Jahr 2007 war für Pankow ein Grund zum Feiern. Der Bürgerpark begann seinen 100. Geburtstag und der Wochenmarkt am Anger jubilierte zum 150.
Mal. Zahlreiche Gratulanten kamen und bestaunten das zum Fest restaurierte Eingangstor zum Bürgerpark. Pankower Bürger, Verbände und Vereine,
zahlreiche Künstler und Statisten, die in Trachten der Jahrhundertwende flanierten begleiteten Pankower und ihren Gästen über das bunte
Rahmenprogramm. Mit Glocken der Pankower Kirche und Posaunen vom Rathausturm wurde zum Fest für Toleranz geworben.
Acht Jahre nach der der Bezirksfusion in Pankow gibt es noch immer kein neues Bezirkswappen für die vereinigten Bezirke Weißensee, Prenzlauer
Berg und Pankow. In einer Ausstellung des Museumsverbundes des Bezirks wurden vierundsiebzig Vorschläge für ein neues Wappen ausgestellt. Mit einer
eigens eingerichteten Wappenkommission berieten Vertreter aller Parteien, der Freundeskreis "Chronik Pankow", Weißenseer Heimatfreunde
und der Berliner Geschichtsverein über das neue Bezirkswappen für Pankow.
Ende des 19. Jahrhunderts meldet die
örtliche Presse; Auf dem Grundstück neben der Willner Brauerei wurde,
unbemerkt von der Polizei, ein ganzes Haus gestohlen. Den zweistöckigen
Klinkerbau trugen Männer in Arbeitsklei-dung in aller Ruhe ab, wäh-rend
der Besitzer für längere Zeit in Italien weilte. Die ab-getragenen Teile
wurden ord-nungsgemäß verputzt, gesta-pelt und schließlich abgefah-ren.
Als der Eigentümer zu-rück kam suchte er sein Haus vergebens.