Die Entstehung von Hinrichstorpe liegt vermutlich im Anfang des 13. Jahrhunderts, wo die Markgrafen Johann und Otto an neusiedelnde Bauern und
Kossäten ihr Land verpachteten. Der Name des Ortes soll auf den einsten Gründer Heinrich zurückzuführen sein, der im Dorf eine Holzkirche bauen ließ.
Erwähnt wurde Heinersdorf im Jahre 1302, wovon auch ein Siegel der Kirchengemeinde davon zeugt. Das Heilig Geist Spital von Ber-lin war Anfang des
14. Jahrhundert im Besitz des Dorfes Hinriksdorf. Mit der Erwähnung im Jahr 1319 wurde beurkundet, dass der Mark-graf Woldemar das Dorf für 150 Mark
brandenburgischen Silbers an das Spital der ältesten Berliner Stiftung ging, die 1272 durch Bäcker ins Leben gerufen wurde. Später beteiligte sich
auch das Schneiderhandwerk an dieser Stiftung, die es 1288 in ihrem Privilegium erwähnen. In diesem Besitz befindet sich Heinersdorf bis 1539.
Wechselnde Besitzer waren dann die Folge bevor die Familie von Fuchs 1691 für kurze Zeit das Dorf erwarb und 1704 Heinersdorf in die
Landesherrschaft des Amtes Niederschönhausen überging. Weitere Wechsel waren dann einige Jahre später in das Amt Mühlenhof und schließlich die
Eingemeindung in das Amt Niederbarnim.
Im Dorf gab es neben Voll- und Halbbauern, Kossäten, Hüfner, eine Laufschmiede und ein Krug. Dazu gesellten sich Mitte des 19. Jahr-hunderts einige
Getreidemühlen. Wie bei dem Ort Blankenburg wurde auch Heinersdorf von städtebaulicher Architektur weitestgehend ver-schont obwohl Heinersdorf schon
1826 vom Rosenthaler Tor (Rosenthaler Platz) über die Kastanienallee und der Pappelallee eine direkte Verbindung zur Stadt Berlin geschaffen wurde.
Mit der Anbindung des Ortes an das Eisenbahnnetzes nach Bernau 1871 und der Einrichtung des Bahnhofes Pankow - Heinersdorf zog es einige Gewerke an
und die Bevölkerung vermehrte sich auch hier zwischen dem alten Dorfkern und dem Bahnhof. Zwischen dem angrenzenden Weißensse und Pankow bildeten
sich Kleingartenkolonien, die noch heute um dem Wasserturm sichtbar sind. Die dem Dorf Blankenburg zugewandte Seite füllte sich entlang der
Verbindung zu Blankenburg mit Einfamilienhäusern. Am 8. Dezember 1887 hatte die Stadt Berlin im ehrwürdigen Schlosspark eine Heimstätte für Genesende geschaffen.
Sie war für ca. fünfzig weibliche Patienten vorgesehen, die männlichen
Patienten kamen im benachbarten Blankenburg unter.
Kirche Der einst großzügig angelegte Ortskern verengte sich mit den Jahren auf den heutigen Stand um den
Heinersdorfer Krug. Erhalten sind im alten Kern von Heinersdorf die Kirche des Dorfes, die noch Zeugnisse im mittelalterlichen Felsstein aus ihrer
Entstehung aufweist. Das dazugehörige Pfarrhaus ist nicht mehr original sondern musste einem neuen Bau weichen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde
an der Kirche ein Westturm angefügt und in den 30iger Jahren des 20. Jahrhunderts kamen ein Querhaus und ein Rechteckchor dazu. Zahlreiche Umbauten
und Erweiterungen ließen nicht mehr viel von den einstigen einschiffigen Feldsteinbau aus dem 14. Jahrhundert übrig. Mit Großformatziegeln gerahmte
Blende läuft an der Nordwand zu zwei schmalen Spitzbögen aus. An der Südwand sind die eine Vorhalle modern, die andere mit ihrem Netzgewölbe und
Birnstabrippen als Zutat aus der Zeit um 1500 gekennzeichnet. Der Choranbau auf der Ostseite um 1860 wurde Mitte des 20. Jahrhunderts durch
Querschiffanlage ersetzt. Der noch erhaltene Westturm blieb in seinem Ursprung erhalten und beherbergt noch die drei alten Bronzeglocken aus dem 15.
Jahrhundert. Er wurde aber 1893 erneuert. Aus der Hand von Charles Crodel entstanden die beiden Ostfenster. Im Inneren findet sich eine aus dem Jahre
1621 datierte Taufe aus Kalkstein, die 1629 mit einer gestifteten Messingschüssel aus Nürnberg versehen wurde. Der Spiegel der Schüssel enthält ein
Flachrelief und zeigt Adam & Eva unter dem Baum der Erkenntnis. 1935 wurde von der Orgelbaufirma Schuke eine zweimanualige Orgel mit 20 Registern
errichtet. Anfang des 20. Jahrhunderts, also um die Jahrhundertwende (so wird der Wechsel um 1900 genannt) bekam die Kirche das Pfarrhaus (1909), das
Margaretenhaus und eine Außenmauer mit charakteristischen Torbogen hinzu. Im Inneren des Margaretenhauses befindet sich der Margaretensaal, welcher
um 1920 erbaut wurde. Als Diakoniesaal eingerichtet diente dieser auch der Heinersdorfer Kirchengemeinde als Fest- und Veranstaltungsort. Nach
umfangreichen Sanierungsarbeiten wurde der der Margaretensaal im Rahmen eines Tanzballs am 6. Oktober 2007 den Heinersdorfern übergeben.
Spritzenhaus Das alte Spritzenhaus der hiesigen Feuerwehr am Rande des alten Kirchhofes weist ebenfalls
noch Altes in seinem Fachwerkgiebel, welcher typisch für die alte Bauweise der damaligen Zeit um 1750 war. Zu den sehenswerten Gebäuden des Ortes
zählen die ehemalige Villa eines Pferdehändlers aus dem Jahr 1876, dessen Ursprung ein vierseitiger Bauernhof war. Der Pferdezüchter bzw.
-händler ließ seiner Zeit auf dem Hof ein Wohnhaus, Stallungen und einen Taubenturm errichten. Der für die Wasserversorgung des Ortes gebaute
Wasserturm von 1910 ragt noch heute wie ein Wahrzeichen aus dem Gelände des Schulhofes. Dieser diente nicht nur der reinen Wasserversorgung sondern
fand auch als Rathausturm seine Verwendung. Aus diesem Grunde bekam der Turm auch eine so genannte Rathausuhr, die über lange Jahre dort auch hing.
Die mit der Eisenbahn angelockte Industrieansiedlung auf der alten Feldmark und der Güterbahnhof zwischen Pankow und Heinersdorf war der Grund
für den Bau von Mietshäusern in der Rothenbachstrasse, die bis in den alten Ortskern reichten. So findet man heute noch ersichtlich gegenüber der
Kirche und auf der Rückseite des alten Dorfkruges (Heinersdorfer Krug) 4stöckige Mietsbauten aus der Jahrhundertwende des 19. Jahrhunderts. Die
Pferdeeisenbahn fuhr dann auch vom Alexanderplatz nach Heinersdorf und löste verschiedene Pferdeomnibusse ab. Die neue Pferdebahngesellschaft
pachtete in Heinersdorf sechs Hektar Weideland, wo sich die pflastermüder Pferde erholen konnten.
Nach der Jahrhundertwende nach die räumliche und wirtschaftliche Verflechtung der ehemaligen Berliner Landgemeinden mit der Stadt zu, sodass es 1911
zum Zweckverband "Groß - Berlin" kam. Nun gab es einige Versuche den ehemaligen Dörfern, so auch Heinersdorf den Beinamen
"Berlin" voran zu stellen. Dies genehmigte dann die Regierung ein Jahr später und Heinersdorf hieß ab nun Berlin - Heinersdorf. Gleiches
erfuhren auch die Ortschaften Pankow, Rosenthal und Niederschönhausen. Mit dem Akt der Eingemeindung als 19. Verwaltungsbezirk von "Groß -
Berlin" gab es dann Widerstände. Die Ortschaften Blankenburg, Buch und Blankenfelde waren gegen die Einheitsgemeinde, die Ortschaften Pankow,
Niederschönhausen, Rosenthal, Buchholz und Karow stimmten für die Einheitsgemeinde. Heinersdorf dagegen war in seinen Auffassungen gespalten und
enthielt sich bei der Abstimmung zu diesem Gesetzentwurf. Am 27. April 1920 trat Heinersdorf dem 19. Verwaltungsbezirk Pankow bei und bildete mit
den Landgemeinden Pankow, Niederschönhausen, Rosenthal, Buchholz, Karow und Buch die Einheitsgemeinde "Groß - Berlin".
Wasserturm Nach der Jahrhundertwende wollte sich die bis dahin weites gehend eigenständige Gemeinde ein
eigenes Rathaus bauen. Da die Gemeinde über nicht so viele finanzielle Mittel verfügte und der erste Weltkrieg begann, wurde dieses Vorhaben erst
einmal auf Eis gelegt. Lediglich der Rathausturm wurde fertig gestellt und mit einer Rathausuhr versehen, die dann über lange Zeit den Heinersdorfer
die Zeit wies. Auf der Turmspitze krönte eine kupferne Kuppel. Dann kam die Eingemeindung von Heinersdorf in den 19. Verwaltungsbezirk von Berlin
Pankow und nun waren die ehrgeizige Repräsentationspläne ganz vom Tisch. Die Umfunktionierung des Turmes als Wasserturm war ebenfalls überholt, denn
das rasante Wachsen der Stadt machte es erforderlich größere Kapazitäten bereitzustellen, dem der Wasserturm nicht nachkommen konnte. Sollte es eines
der ersten Bauwerke sein, die der Steuerverschendung zum Opfer fiel? In der Zeit seines Bestehens hatte er zumindest alle geschichtlichen Ereignisse
miterlebt. Erste Nutzung war durch eine Grundschule, die dann 1935 in das durch den Architekten Richard Ermisch entworfene Schulgebäude nebst
Turnhalle zogen. Dann kamen neue Machthaber, die das Objekt für die Hitlerjugend bzw. Volkssturm nutzte. Dieser installierte ein Jahr vor Kriegsende
auf dem Turm eine Flakstellung, die der Abwehr von Luftangriffen dienen sollte. Auch die Siegermacht Russland hatten für den Turm Verwendung gefunden.
Von hier aus wurde der Flugverkehr des Westberliner Flughafen Tegel überwacht, wo alle Flugzeuge für ihren Landeanflug den Luftraum über Pankow
nutzen mussten. Mit der politischen Wende und der Übernahme des Wasserturmes in den Liegenschaftsfond kam die große Frage, was mit diesem Turm werden
soll. Keiner will ihn haben. Einige Architekten machte futuristische Pläne für eine zukünftige Nutzung, fanden aber keine passenden Investoren.
Ahmadiyya Moschee Der in der Infrastruktur kaum gewachsene kleine Ortsteil von Pankow
kam mit dem Bau einer Immobilie dermaßen an die Öffentlichkeit, die Heinersdorf in seiner Geschichte noch nie zu Teil kam. Gegenüber einem kleinen
alten und allein stehenden Mietshaus mit einem ehemaligen kleinen Biergarten verkündete die Ahmadiyya Gemeinde 2006, dass sie in Heinersdorf eine
Moschee bauen wolle, die die erste dieser Art in Ostberlin wäre. Ein eigentlich unbedeutendes Grundstück zwischen einem Fast Food Imbiss und einer
Autowerkstatt, wo sich alte Garagen und ein alter Schornstein befanden wurde für den Bau der Moschee angekauft. Eigens war auf diesem Gelände ein
Heizkraftwerk welches eine Sauerkrautfabrik aus DDR Zeiten mit Energie versorgte. Als bekannt wurde, was dort auf diesem Grundstück entstehen sollte,
kam der lautstarke Protest nicht nur aus dem kleinen Ort selbst, sondern zog über ganz Pankow hinweg. Viele fragten sich, warum gerade dort, wo der
Ausländeranteil am Geringsten ist ein islamisches Gotteshaus gebaut werden soll. In Heinersdorf wohnte kein einziger Anhänger dieser Gemeinde. Unter
der Bevölkerung herrschte zu dieser Zeit Angst vor religiösen Fanatikern, die mit Anschlägen Schlagzeilen machten um ihre Ziele durchzusetzen. Stein
des Anstoßes ist auch die Frage, wie man mit Frauen und Mädchen im Islam umgeht, dies passe nicht in die demokratische Weltanschauung unseres
Staates.
Mit einem Desaster endete eine erste Informationsveranstaltung am 23. März 2006 in der überfüllten Grundschulturnhalle am Wasserturm. Mit
"Wir sind das Volk" wollten Pankower Bürger nicht mehr per Dekret regiert werden und die Unterstützung eines Pankower Politikers endeten
mit Morddrohungen und selbst vor einen Brandanschlag auf dessen Wohnhaus schreckte man nicht zurück. Schließlich mussten die Vertreter der Ahmadiyya
Gemeinde unter Polizeischutz aus der Turnhalle gebracht werden. Mit dieser Veranstaltung gründete sich auch gleich die Interessengemeinschaft
"Pankow Heinersdorfer Bürger e. V.", die gegen den Bau waren und wiederum eine Interessengemeinschaft der Befürworter "Heinersdorf
öffne dich", die den Bau unterstützten. Es wurde behauptet, dass sich die Bürgerinitiative aus rechten Mitgliedern gebildet habe, was aber in
Wahrheit engagierte Bürger aus Heinersdorf sind, vertreten durch mehr oder minder prominenten Gestaltern des (Dorf-) Lebens; dem Pfarrer, die
Heinersdorfer Grundschuldirektorin Marina Vogel, die lokale CDU, Ärzte, Rechtsanwälte und zahlreiche Gewerbetreibende. Große Demonstrationen wurden
in Pankow organisiert, die Pankow schon seit Jahrzehnten nicht mehr sah. Viele Pankower und Andere kamen hier zusammen. Die einen sprechen von
"Islamischer Landsnahme", die anderen von "Islamisierung" in Pankow und schließlich stellt der evangelische Bischof Wolfgang
Huber die Frage "Wozu und für wen braucht Heinersdorf eine Moschee?", denn Angehörige dieser Glaubensrichtung gebe es in Heinersdorf nicht.
Letztendlich sollte der Bau Thema einer Fernsehsendung (Menschen bei Maischberger) werden zu der auch der Sprecher der Gegner für den Bau mit
eingeladen werden sollte. Dann kam aber kurz davor die Absage und Achim Swietlik bekam eine Absage. In einem persönlichen Brief an seine Mitstreiter
äußerte er sich wie folgt;
Liebe Mitstreiter,
nachdem am Freitag die Freude über die Einladung zur Sendung “Menschen bei Maischberger” groß war und am Montagvormittag dem
05.02.07 um 10:00 Uhr noch ein positives persönliches Vorgespräch stattfand und 3 Stunden später die offizielle Einladung zugeschickt wurde, kam
heute am Dienstagvormittag 06.02.07 (Tag der Sendung) die Ausladung. Die lapidare Begründung ist plötzlich angeblicher Zeitmangel während der Sendung.
Ahmadiyya - Imam Tariq bleibt aber weiterhin Gast der Sendung, der Zeitmangel scheint ihn nicht zu betreffen. So zieht sich der “Rote
Faden” der Ungleichbehandlung nach den Printmedien auch in die TV-Medien.
Viele Grüße - Achim Swietlik
P. S.: Irgendwer scheint eine Riesen Angst vor uns und unseren Argumenten zu haben!
Von Seiten der Medien war es sicherlich kein schöner Zug, den die Einwohner aus Heinersdorf sind überwiegend ehemalige DDR Bürger und fühlen sich
wie in alte Zeiten zurückversetzt, ihre Meinung ist nicht gefragt. Dies schürte nur noch mehr Misstrauen unter den Einwohnern und wurde noch mehr
angeheizt, als das Gerücht aufkam, dass das ehemalige Rangiergelände zwischen Pankow und Heinersdorf durch die Ahmadiyyaner ebenfalls aufgekauft
werde, die dann ihre Deutschlandzentrale von Mannheim nach Berlin verlegt.
Mitte Oktober 2008 war es dann soweit. Nachdem der Bau fertig gestellt wurde, konnte die Ahmadiyya Gemeinde mit zahlreichen geladenen Gästen ihre
Einweihung feiern. Der eigens aus London angereiste spirituelle Oberhaupt Kalif Hazrat Mirza Masroor Ahmad, Bundestagsvizepräsident Thierse und der
Pankower Bürgermeister Matthias Köhne zählte zu den geladenen Gästen. Wolfgang Thierse zitierte dabei einen alten Satz "Freiheit ist immer auch
die Freiheit des Andersdenkenden" aus der Karl Liebknecht Bewegung der Jahrhundertwende, der auch von Bürgerrechtlern der ehemaligen DDR genutzt
wurde. Nach dem ersten Freitagsgebet lud die Ahmadiyya Muslim Gemeinde alle Menschen aus der Umgebung ein, das neue Gotteshaus zu besichtigen. Am
Eingang wurde hierzu eine Tafel angebracht, auf der steht "Willkommen - Liebe für alle - Hass für keinen". Zum "Tag der offenen
Tür" kamen dann viele, erst zögerlich, dann aber immer mehr. Der Imam der Gemeinde, Abdul Basit Tariq begrüßte alle die kamen und beantwortete
auch alle Fragen, die die Besucher stellten. So entwickelten sich Gesprächsrunden und die unmittelbaren Nachbarn konnten einen Blick in die Moschee
werfen. Bleibt zu hoffen, dass das Versprechen der Gemeinde ihr Haus für jedermann offen zu halten nicht nur ein Versprechen bleibt bzw. beide
Seiten friedlich nebeneinander leben können.