Von der märkischen Derbheit zum französischen Flair
Wie die erste Besiedelung von Buchholz aussah kann heute nicht mehr zweifelsfrei nachgewiesen werden. Siedlungsanzeichen aus der jüngsten
Steinzeit wurden um den heutigen Majakowskiring gefunden. In Buch dagegen wurde bei dem Bau des Klinikums ein ganzes Dorf aus der jüngeren
Bronzezeit gefunden. Auch in Buchholz stieß man auf zwei Bronzeschwerter und zeugt von der damaligen Schmiedekunst. Mit der Verhüttung von
Eisenerz begann der Siegeszug eines neuen Werkstoffes, welches auch aus dieser Zeit Funde in Buchholz hervorbrachten.
Um 1180 kamen erste Mönche der Zisterzienser in die Mark Brandenburg und fanden ideale Bedingungen, um nach ihren strengen Regeln arbeiten
und leben zu können. Theodor Fontane schrieb später in seinen "Wanderungen durch die Mark Brandenburg", ...tief in heidnische Lande
hinein waren die Mönche von Cisterz mit dem Kreuz in der Linken, mit Akt und Spaten in der Rechten, lehrend und Acker bauend, bildend und
heiligend vorgedrungen (...) Pioniere, die hundert und tausend anderen Kolonisten , die nach ihnen kamen, die Wege bahnten...
Slawische Stämme besiedelten zu dieser Zeit das Land, lebten meist in ärmlichen Katen und ernährten sich durch Ackerbau und Viehzucht, sowie
der Fischerei. Sie verehrten ihre Götter und waren zäh und störrisch, wenn es um die Bekehrung zum christlichen Glauben ging. Für die Slawen
kam nun der Punkt, wo sie sich entscheiden mussten. Entweder sie unterwerfen sich dem neuen Glauben oder sie wurden vertrieben.
Mitte des 13. Jahrhundert (1231) führten die Nachfahren des askanischen Markgrafen Albrecht den Bären die Christianisierung und Besiedelung
der Mark Brandenburg fort. Zu der Zeit, als das heutige Französisch Buchholz entstand besaßen die Nachfahren Johann I. und Otto III. schon die
gesamte Mark Brandenburg, die noch 100 Jahre vorher in slawischen Einfluss stand und Albrecht der Bär den Barnim nach Bären durchstreifte. Viele
Siedler stammten aus den Harzgebieten und dem Niederrhein, siedelten erst in der Altmark und kamen in zweiter bzw. dritter Generation über die
Elbe und in die Mark Brandenburg. Zahlreiche Ortsnamen aus Pankow finden sich dies- und jenseits der Elbe wieder. Buch, Blankenburg und Buchholz
auf der westlichen Seite und Karow und Schönhausen auf der westlichen Seite. Mit Vieh und Ackerwagen, einigen wenigen Habseligkeiten und von den
Strapazen der Reise völlig entkräftet kamen sie in der Mark Brandenburg an. Vorwiegend deutsche Siedler westlich der Elbe zogen mit einem vom
Landsherrn ernannten Locator in die Mark Brandenburg, suchten einen günstigen Platz zum Besiedeln und steckten die Feldmark ab. Mitunter wurden
auch vorhandene slawische Siedlungen genutzt. Der Locator wies jedem Siedler eine Fläche zum Bau ihrer Häuser zu oder es wurden ehemalige
verfallende Gehöfte wieder aufgebaut. Die Neusiedler legten eine gemeinsame Aue nebst Kirche und Friedhof an. Noch vorgefundene slawische
Bevölkerung musste sich nun der neuen Gesetze unterwerfen oder wurden zwangsweise eingegliedert. In den Anfängen der Besiedelung lebten die
Siedler mit Ihrem Vieh unter einem Dach in aus Fachwerk, mit Lehm und Stroh, errichteten Häusern. Erst später begann man die Trennung zwischen
Mensch und Tier durch Wände und schließlich durch Bau von Stallungen.
Für das Dorf Buchholz sah die Dorfgründung wie folgt aus; Der Locator suchte am Rand des Buchenwaldes einen geeigneten Platz aus und ließ
diesen für 40 Bauplätze vermessen und abstecken. In der Mitte wurde der Platz für den Bau einer Kirche nebst Begräbnisstätte vorgesehen.
Anschließend begann die Herrichtung der Feldmark für die Dreifelderwirtschaft (Winterung, Sommerung und Brache). Zum Schluss kam noch die Allmende
(Gemeinschaftsstall/Gemeinschaftsweide) für die Hütung von Kühen, Schafen und Schweinen. Nun ging man daran den Buchenwald abzuholzen, um genügend
Baumaterial für die Errichtung des Dorfes zu bekommen. Für die Grundmauern wurden Findlinge aus der Feldmark verwendet, die es wie heute in
reichlicher Fülle gab. Mit der Zeit kamen dann die ersten Mönche ins Dorf und hielten den Gottesdienst ab, gaben den Bauern Ratschläge für den
Ackerbau und der Viehzucht und halfen ihnen bei der Bestimmung der Bodenqualität. Neben dem Anbau von Roggen, Gerste, Hafer und Weizen wurde auch
Flachs angebaut, der dann auf Webstühlen zu Leinen verarbeitet wurde. Das angebaute Getreide ließen die Buchholzer Bauern in der Mönchsmühle bei
Mühlenbeck mahlen.
Zu der damaligen Zeit ragte sich ein dichter Buchenwald, zwischen den Wiesen und Auen um das heutige Dorf Buchholz und der Pankeniederung, in
den Himmel. Dieser Wald zog sich von Buchholz bis nach Buch und dessen Nähe stand Pate für den Ortsnamen. An der südlichen Seite von Buchholz
befanden sich sumpfige Wiesen, wie sie noch heute auf der ehemaligen Krügerschen Wiese zu sehen ist. Hinter dem Dorf westlich gesehen befindet
sich eine Hochlage, wo man einen beschaulichen Blick auf das malerische Buchholz nehmen konnte. Etwas weiter hinter der Hochlage befindet sich
der Krugpfuhl, ein ca. 2 ha großes Biotop, welches das größte Laichgebiet für Kröten und Frösche im gesamten Berliner Raum ist. Hier finden sich
Moor-, Gras, und Teichfrösche, sowie Erd- und Knoblauchkröte. Das Gebiet der Karower Teiche war zur damaligen Zeit Moorgebiet und diente den
Buchholzern als Torfstichgebiet. Bei der Ortsanlage führten Wege nach Blankenburg, Buch, Niederschönhausen und Blankenfelde bzw. der Weg nach
Berlin (heute Prenzlauer Allee, Prenzlauer Promenade, Pasewalker Straße und Berliner Straße). Der historische Teil des Ortskerns von Buchholz
befindet sich zwischen der Bucher Straße und der rechts abgehenden Blankenfelder Straße.
Erste Erwähnung fand Buckholtz im Jahre 1242 in einer Übertragungsurkunde der Markgrafen, mit der sie Schönerlinde an das Kloster Lehnin
übertrugen, welches an Buckholtz grenzte. Die Gründung des Dorfes musste also schon früher erfolgt sein, da zu diesem Zeitpunkt alle Grenzen der
Feldmark feststanden. Damit steht heute fest, dass Buckholtz der älteste Teil des heutigen Bezirkes Pankow ist. Ausgrabungen und dessen neuen
Erkenntnissen zu Folge reiht sich Rosendalle gleich hinter Buckholtz in den ältesten Teil von Pankow ein. Hier gab es eine Ersterwähnung allerdings
erst im Jahre 1356. Die damaligen Flurstücke wurden in Hufen zugeteilt, wobei eine Hufe sieben bis acht Hektar bzw. achtundzwanzig bis
zweiunddreißig Morgen entsprachen. Dem Lehnschulzen oblag die niedere Gerichtsbarkeit, das so genannte Dorfgericht. Dieser stellte auch seine
Räumlichkeiten für die so genannten Thingtage zur Verfügung. Gleichfalls fungierte dieser als Förster in dem angrenzenden Buchenwald. Dem Gutsherrn
stand das Recht der höheren Gerichtsbarkeit zu, welche durch Bredow und Repkow geteilt wurde. Weiter waren im Dorf ein Küster und eine hohe Anzahl
(32) an Kossäten vertreten. Dem Landsherrn gegenüber mussten damals an Pacht, Zins und Bede (Abgaben) gezahlt werden. Ansässige Kossäten musste 8
Pfennige zahlen und mussten ein Huhn abgeben. Dem Krug wurde eine Abgabe von 10 Schillingen auferlegt.
Buchholz Kirche Mit Hilfe der Zinsterzienser Mönche wurde um 1250 der älteste Teil der Kirche aus
Feldsteinen erbaut. Sie bestand aus dem einschiffigen Langhaus mit kleinen Fenstern im spätromanischen Stil. Im Innern der Kirche war eine
Balkendecke eingezogen, die um 1600 durch ein Kreuzrippengewölbe mit Scheitelrippe, auf Wandpfeilern ruhend, abgelöst wurde. Seit 1689 diente das
Gotteshaus zugleich der evangelisch - lutherischen und der französisch - reformierten Gemeinde für den Gottesdienst. Mit neuem Altar und Taufengel
sowie einer neuen Kanzel und dem Taufbecken hatte um 1692 die Kirche eine komplette Ausstattung im Barockstil. Bis 1705 wurden zur Verbesserung der
Lichtverhältnisse noch die Kirchenfenster vergrößert. Ein Jahrhundert später zimmerte Meister Gemeinhardt in der Kirche ein neues Empore. Ein Jahr
zuvor wurden die vier Hufen Kirchenland ausgeschrieben, dessen Zuschlag für 32 Reichsthaler und 14 Groschen der Krüger Grün, der Zimmermeister
Seeger und der Lehnschulze Ewest bekamen. Bis zum großen Umbau 1852 reichte das Längsschiff aus. Dann kam ein Querschiff aus Klinkersteinen dazu,
das 1886 durch einen massiven Turm ergänzt worden ist. Vorher zierte das Längsschiff auf der westlichen Seite ein Dachreiter. In der Kugel des
jetzigen Kirchturmes befinden sich Münzen und Urkunden aus den Jahren 1668, 1724, 1852, 1886 und 1956. Die Wetterfahne ziert die Jahreszahl 1886.
Hinter der Kirche befindet sich der Fachwerkstall des Küsterhofes und das Gebäude des 1857/58 erbauten gemeinsamen Schulhauses für die Schüler der
deutschen und französischen Gemeinde.
Zum Zeitpunkt des Landbuchs Karl IV. war Buckholtz sozusagen wegen Geldnöte an Hans von Bredow und Tyle Repkow vermietet, denen Abgaben von
insgesamt 21 Hufen und das höhere Gericht zustanden. Weitere 13 Hufen waren abgabefrei und die Abgaben der restlichen 11 Hufen standen dem
Markgrafen zu.
Hans von Bredow, zugehörig eines großen Brandenburger Adelsgeschlecht, dessen Ursprung in der Schweiz liegen soll, gehörte zu den vielen
altsächsischen Familien, die unter den Fahnen des Albrecht dem Bären im 12. Jahrhundert in die bis dahin wendische Mark Brandenburg kam. Das Gut
von Bredow lag im Ort etwa auf dem Grundstück Hauptstrasse 24. 1450 ist im Schoßregister zu lesen, dass ein Arnt von Bredow alleiniger Besitzer von
Buchholz war. Peter Trebus war zu dieser Zeit als Lehnsherr bestellt. Der Küchenmeister Ulrich Zeuschel bekam 1460 einen Teilbesitz am
kürfürstlichen Gut als Lehen. Viele Besitzer wechselten in Buckholtz. So sind in den Urkunden auch die Besitzer Röbell zu finden, die am Gedeihen
und den Einnahmen interessiert waren. Zu dieser Zeit war dar Besitz von der Familie Bredow bis auf ein Drittel geschrumpft. 1480 schließlich erwarb
Heiße Wilmersdorp den gesamten Anteil der Bredows. Der kurfürstliche Rentmeister Nikolas Thüm übernahm wiederum die Anteile von Zeuschel und
Wilmersdorp. Lediglich die Familie von Rö-bell hielten ihre Anteile über lange Zeit hinweg. Sie besaßen auch Besitzungen in Blankenburg, Karow und
Buch. Erst 1670 mit dem Verkauf ihres Rittergutes an den Freiherrn von Pöllnitz wurden die Anteile an Buchholz an den Kurfürsten verkauft, der nun
das ganze Dorf Buchholz besaß. Es gab zu dieser Zeit keine freien Ritterhufen, nur der Lehnschulze war von den Abgaben freigestellt. Im Jahr 1486
waren noch die Besitzer Familie von Schieben und von Thümen in den Büchern eingetragen. Das Dorf wurde 1561 auf Erlass des Kurfürsten der Domäne
Mühlenbeck zugeteilt und verblieb dort bis 1829. Bis auf das Lehnenschulzengut, welches frei von Abgaben war, gab es keine Freihufen mehr.
Folgenreich waren dann die Jahre des Dreißigjährigen Krieges (1618 - 1648). Mit einer Inflation und Geldentwertung kam bittere Not zu den
Menschen. Mit dem Eindringen des Feldherrn Wallenstein in die Mark Brandenburg kam dann auch der Krieg nach Buchholz. Auf Kosten der Bevölkerung
lebten die Truppen beider Kriegsparteien, nahmen den Bauern das Vieh, Brot und Bier und der preußische Kurfürst Georg Wilhelm hielt sich in
Königsberg auf und war sich unschlüssig auf welcher Seite er stehen würde. Viele Häuser wurden verlassen oder verwüstet, die Äcker wurden nicht
mehr bestellt. Flucht und Seuchen waren an der Tagesordnung und die Dörfer mussten nunmehr wieder belebt werden. Schließlich verlor der Barnim
annähernd die Hälfte seiner Bevölkerung.
1687 bringt ein kurfürstlicher Beamter erste französische Einwanderer nach Buckholtz, die wegen ihres Glaubens verfolgt wurden und hier eine
neue Heimat fanden. Es war sozusagen die Geburtsstunde des Namenszusatzes unseres Ortsnamen "Französisch Buchholz". Die Hugenotten
gründeten im Ort eine französische Kolonie und begannen mit dem Anbau von Gemüse und Blumen, dessen Tätigkeit noch heute den Ort prägen. Mit sechs
Gärtnerfamilien und zehn Kossäten begann die Neubesiedelung des Dorfes nach den Kriegswirren. Die für damals Einheimische völlig unbekannten
Fähigkeiten der Hugenotten waren sehr willkommen und wurden von den übrigen Dorfbewohnern gern aufgenommen. Auch einige Privilegien kamen den
Neusiedlern aus Frankreich zuteil. Sie wurden nicht zum Militärdienst herangezogen und mussten auch nicht Arbeiten für den Lehnschulzen oder dem
Markgrafen leisten.
In der Kolonistenliste von 1699 sind 20 hugenottische Familien mit insgesamt 86 Mitgliedern genannt. Sie fühlten sich wie eine große Familie,
waren sie schließlich gut bekannt und fast jeder mit jedem verwandt. Sie fühlten sich zunehmend heimischer und es entstanden sogar kleine
Kuriositäten, in denen deutsche Einwohner teilweise das Vokabular und Umgangsformen der französischen Einwanderer übernahmen. Auch das Essen der
französischen Küche gefiel den deutschen Dorfbewohnern gar sehr, dass die einfache Fleischbrühe auch schnell Boullion hieß, man jetzt Schrippen aß,
Freude an den verschiedenen Gemüsesorten fand und sich auch am Salat ergötzte. Ihre Sprache und Tradition mussten die Hugenotten nicht aufgeben,
so dass sich ihre Sprache im Ort lange hielt. Über lange Zeit brauchten die Hugenotten die deutsche Sprache zu erlernen, bis in das Jahr 1826 wurde
in der Gemeinde Buchholz auf Französisch gepredigt. Auch die Eigenarten und Gebräuche der Hugenotten verlangsamten den Verschmelzungsprozess
zwischen den Ein-heimischen und den Hugenotten.
Zu den alteingesessen hugenottischen Familien in Französisch Buchholz zählten Arnoux, Aubert, de Balicourt, Cuni, Chantié, Favier, Formey, Guyot,
Henrion, Janson, Matthieu, Maunouri, Mazet, Noé, Petit, Rupert und Tiriot. Die Familie Guyot war von allen die größte Familie. Im Dorf gab es 1730
neben einem französischen Kaffee einen Schmied in der Erbschmiede, den Radmacher zwei Hirten und einen Erbkrug. Bei den deutschen Familien stehen in
den Büchern Namen wie von Blumenthal, von Wartensleben, von Liepe und ein Herr von Rademer. Hofrath de Thomas war als Besitzer des Gutes eingetragen.
Die Kolonie besaß einen eigenen Richter und einen Kantor, der zugleich Lehrer an den französischen Schulen war. Großer Unterstützer der
Hugenotten war Friedrich der Große, der selbst französisch sprach, schrieb und dachte. Er unterstützte den Bau von Kranken- und Weisenhäusern, ein
Gymnasium, das Predigerstift und eine Lehrerbildungsanstalt. Die Hugenotten gehörten der französisch reformierten Kirche an, die mit den Jahren der
Mischehe zustimmte um der Inzucht, wegen der wenigen Auswahl in den kleinen Gemeinden, vorzubeugen. In der Hauptstraße 1 wurde von den Hugenotten
eine eigene Schule eröffnet, die dann 1857/58 mit der deutschen Schule vereinigt wurde.
Auch in dem etwas entfernten Berlin hörte man von diesen Hugenotten aus Französisch Buchholz und so kam es, dass sich viele Berliner auf den Weg
machten, um das französische Dorf Buchholz zu besuchen. Karl Friedrich Zelter, Freund von Goethe und Begründer der Berliner Singakademie, schrieb
in einem Brief von einem vergnüglichen Schmaus in Französisch Buchholz und auch der Radierer Daniel Chodowiecki verwies mit seiner "Wallfahrt
nach Französisch Buchholz auf einen vergnüglichen Besuch hin. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts unternahm man den Versuch "Französisch
Buchholz" zu einem Luftkurort zu machen. Die unmittelbare Lage zu den Karower Teichen, der südlichste Ausläufer des Naturpark Barnim und die
Scharen von Wochenendausflüglern waren Anlass für dieses Vorhaben. Mit "gesunde kräftige Luft", "trockene
Sommerwohnungen" und unverfälschter Milch" wollte die Gemeinde das Dorf anpreisen.
Zur Zeit der napoleonischen Besetzung 1806 wurden die Dörfer, so auch Buchholz, von französischen Soldaten belagert, die durch ständige
Truppenbewegungen das Dorf auszehrten. Mit der Kontribution von 1806 forderten die Besatzer von Buchholz 491 Taler, welche von den Bewohnern nicht
erfüllt werden konnten. Die Gemeinde hatte durch die Besatzung alles verloren und musste zusätzlich für Durchmärsche und Einquartierung aufkommen.
Um den angedrohten Erschießungen durch den Besatzern zu entgehen wurde schließlich ein Großteil der Summe aufgebracht werden. Das Dorf erholte sich
schließlich danach sehr schnell und wuchs weiter.
Schlösschen Friedrich Nicolai weist in seiner "Beschreibung der königlichen Residenzstadt
Berlin" von 1786 darauf hin, dass es vor dem Prenzlauer Tore das Dorf Französisch - Buchholz gibt, dass 1½ Meilen von Berlin entfernt und im
Niederbarmischen Kreise liege. Dort stößt rechts dicht an das Dorf ein angenehmer Eichen- und Buchenwald. Ein Teil dieses Waldes wurde 1827 - 29
nach Plänen von Peter Joseph Lennès für den wirklichen geheimen Staats- und Schatzminister Graf Wylich und Lottum (1767 - 1841) hergerichtet. Der
Plan vom Jahr 1827 ist wahrscheinlich ein Vorentwurf für den neun Hektar großen Park. Dazu gehört ein zweiter, der skizzenhaft gehalten ist und
zahlreiche Korrekturen der Wegeführung aufweist. Das Interessanteste an diesem Plan sind die zahlreichen Bepflanzungsangaben, die am Rand
eingetragen sind. Sie vermitteln einen Einblick, wie Lennè die einzelnen Gehölzarten verwendete und die Gruppen zusammensetzte. Ein weiterer Plan
vom Jahr 1829 zeigt einen nach Norden abgerundeten Park und einen ursprünglich kleinen Garten. Lennè hat aus dem nicht weit von der Panke entfernten
Teil des Elsbruches einen Park mit wenigen dichten, waldartigen Partien, vielen lockeren Baumgruppen oder -hainen und großzügigen Wiesenräumen
geschaffen, der von einem weit geschwungenen Wegenetz erschlossen und einigen zu Teichen erweiterten Wasserläufen belebt wird. Nach 1841 verkauften
Nachkommen des Grafen Lottum nach dessen Tod das Anwesen an den Bankier Gravenstein, der die Parkanlage für die Bevölkerung zugänglich machte. Der
große Gutshof mit seinen Stallungen, Scheunen und Wirtschaftsgebäuden reichte damals von der Gravensteinstraße bis über die heutige Parkstraße.
Auch auf dem Grundstück der Hauptstraße 62 befand sich ein Hauptgebäude des großen Gutshofs. In einem zum Gut gehörenden Häuschen, das quer in die
Parkstraße hineinreichte, wohnte der so genannte "Esel - Schüler", das war der Kutscher namens Schüler der Familie Gravenstein. Zu seinen
Pflichten gehörte die Betreuung des großen Gartens, dabei halfen ihm drei Esel. Sie hatten ihren Auslauf in einem Park vor dem Haus, ungefähr dort,
wo heute die Straßenbahnlinie 50 ihren Ausgangspunkt hat. Die Einwohner von Französisch Buchholz nannten diesen Park deshalb den
"Eselpark". Der große Garten hinter dem Herrenhaus reichte bis an die heutige Eddastraße. An der Ecke Gravensteinstraße/Eddastraße befand
sich die alte Gravensteinsche Gärtnerei, die der damalige Gärtner Lehmann bewohnte und um 1936 war auf diesem Terrain die Hühnerfarm von Hoppe.
Außerdem befand sich auf der großen Lichtung in dem Parkgrundstück zwischen Elfenallee und der Eddastraße ein geräumiges Wildgatter, indem sich Rehe
und Hirsche tummelten. Um 1904 Nach dem Tod des Bankiers Gravenstein (1903) wurde das ganze Anwesen, nachdem die Buchholzer Gemeinde die käufliche
Übernahme abgelehnt hatte, durch eine Terraingesellschaft aufgekauft und verparzelliert sowie die Parkstraße angelegt. Die Chamisso-, Edda-,
Viktoria-, und Gellertstraße sind in späteren Jahren entstanden. Das Kernstück, das Schlösschen, auch Herrenhaus genannt, mit seinem großen
Hintergarten und dem kleinen idyllischen Teich, erwarb 1909 die Familie Jacobi - Schwennicke. Der Lotteriedirektor Jacobi ließ die an das
Schlösschen links und rechts hufeisenförmig flankierenden Stall- und Wirtschaftsgebäude niederreißen und baute nach den Plänen seines
Schwiegersohnes, des Regierungs- und Baurats Schwennicke, den nördlichen Seitenflügel mit dem Spottvers über dem Pferdestall "honni soit qui
mal y panse" (Schade dem der hier schlecht striegelt) - eine kleine Änderung des Sinnspruches des englischen Hosenbandordens >honny soit
qui mal y pense< (Schade dem, der hierbei schlechtes denkt), der noch um 1740 über dem Schloss Schönhausen in Niederschönhausen prangte. Die
Ausfahrt zur Hauptstraße wurde zugemauert und zur Parkstraße verlegt, da die Pferde immer vor den an- und abfahrenden Straßenbahnwagen scheuten.
Ferner wurde der Gärtner Ferdinand Kettliß beauftragt, den schönen parkähnlichen Garten unter Verwendung zahlreicher, seltener ausländischer Baum-
und Zierstraucharten neu aufzuarbeiten. Der letzte Besitzer des Grundstückes war Hugo Schwennicke, der das Grundstück bis 1948 nutzte und dann nach
Westberlin ging. Das verlassene Wohnhaus wurde Jugendheim "Arthur Becker". Im Jahr 1953 musste es wegen Baufälligkeit geräumt werden. Ein
kleiner Teil des Wirtschaftsgebäudes (erbaut um 1910) ist erhalten geblieben und wird von einer Kita genutzt.
Nachdem 1856 eine Ortsbegradigung durchgeführt wurde konnte die Gemeinde ein neues Schulgebäude an der Kirche bauen. Die sozial eingestellten
Hugenotten regten den Bau eines Armenhauses an. Es bot den Armen eine bescheidene Unterkunft und sicherte durch Spenden auch den Lebensunterhalt der
Armen. Des Öfteren luden die Bauern zum Mittag ein, was die Armen dankend annahmen. Zu den christlichen Feiertagen bekamen die Armen Zusätzliches,
wie z. Bsp. von der Bäuerin Kerkow, die ihrer Magd anwies ein 20 Mark Goldstück zu Weihnachten in den Brotleib einzubacken. Die Armen freuten sich
gar sehr und ertränkten mit dem Geld ihr Elend im Rausch. Unter der Dorfschulzenschaft von Guyot wurde in der Gemeinde Buchholz ein Ortsstatut
bestätigt, wo alle relevanten Vorschriften für das Zusammenleben in Buchholz geschrieben stehen. In diesem Regulativ wurde auch die Veranlagung von
Hundesteuern festgeschrieben. So musste pro Tier und Jahr ein Taler entrichtet werden. Es wurde auch dabei festgestellt, dass wohlhabende Bewohner
im Ort keine Steuern entrichten mussten und auch bei den veränderten Besitzverhältnissen von Kossäten und Büttnern stellte man fest, dass diese zu
wenig besteuert wurden. Die neue Verordnung brachte nun Klarheiten in die Gemeindelasten und regelte unter Anderem Hand- und Spanndienste,
Einquartierungslasten sowie die Schul- und Kirchenlasten.
Amtshaus Selbst ein bedeutender Polizeidestrikt nebst Gefängnis konnte Buchholz sein Eigen nennen. Das
zu bewachende Gebiet für die Gendarmen war sehr groß und zog sich von Sumt über Mühlenbeck, Blankenburg, Heinersdorf sowie Schönerlinde hin. Das
Gefängnis befand sich auf dem Hof des Amtshauses und wurde mit so manchen zwielichtigen Gaunern, Mörder und einer verwirrten Frau aus einer
Ner-venheilanstalt als Herberge genutzt. Die verwirrte Dame wurde in ihrer Anstaltskleidung von den Gendarmen in das Amtshaus gebracht, wo sie auf
den Sergeanten Steindorff traf. Die schmucke Uniform beeindruckte die Dame so sehr, dass sie vermeinte in ihm ihren Angetrauten zu sehen und stürzte
sich sogleich auf ihn. Dem Beamten blieb nichts anderes übrig, als auf die Liebkosungen einzugehen und mit ihr auf dem Hof zu spazieren, bis die
Pfleger kamen und den Sergeanten von seiner Verehrerin zu befreien.
Friedhof Von der Dorfgründung 1242 bis 1871 befand sich der Begräbnisplatz an der Dorfkirche. Im Oktober
1871 erwarb die Gemeinde vom hugenottischen Bauern Guyot am Mühlenberg Land zur Errichtung eines neuen Friedhofs, der schon 1899 erweitert werden
musste. Eine neue Feierhalle ist 1910 in Betrieb genommen worden. In den 50er Jahren gab es eine nochmalige Vergrößerung des Begräbnisplatzes. An
der Friedhofsmauer längs der Mühlenstrasse befinden sich die ältesten noch erkennbaren Grabstellen. Über den Friedhof verteilt sind Gräber der
hugenottischen Familien Guyot, Chatron und Matthieu. Ansonsten findet der Besucher Grabstellen von alteingesessenen Bauern- und Gärtnerfamilien,
Künstlern, Lehrern, Handwerkern, kath. Pfarrern und anderen interessanten Familien. Vor dem Friedhof am Rosenthaler Weg finden Sie einen über 300
Jahre alten Baum. Dieser wurde erst Anfang des 21. Jahrhunderts großzügig beschnitten, bis er im Jahr 2008 ganz den Sägen der Landschaftsbauer zum
Opfer fiel. In der Friedhofsverwaltung können Interessierte weitere Informationen zum Friedhof und den Gräbern erhalten.
Während der napoleonischen Besatzung wurde Französisch Buchholz mit Soldaten belegt, dessen Truppenbewegungen das Dorf auszehrten. Eine von dem
Besatzer geforderte Kontribution von 491 Talern bezeichnete der Dorfschulze Evest als unerfüllbar, denn die Armut war groß, den Bewohnern wurde
alles genommen. Als die Besatzer mit Erschießungen drohten wurde ein Großteil der Summe doch bezahlt. Trotz weiterer geforderter Nachzahlungen
erholte sich Buchholz schnell von den Strapazen der Besatzung und 1855 übernahm der Bruder von Ewest, Daniel das Amt des Dorfschulzen.
1875 eröffnete die Frau des Kreistierarztes Emma Koenig in der Hauptstraße 22 eine Pflegeanstalt für geisteskranke Frauen und
verlegte diese später in die Garten-straße 6, wo diese dann den Namen Haus Koenig erhielt. Sie wurde Altersheim und von der evangelischen
"Stephanusstiftung" betrieben. In der Hauptstraße 63 befand sich ein Pflegeheim, welches 1904 von Dr. Mucha zu einer Nervenheilanstalt
umge-baut wurde. 1909 ließ er dann das größere Gebäude an der Hauptstraße und das Sanatorium in der Parkstraße errichten. Ein weiteres iTüpfelchen
in Buchholz wurde das Sanatorium für Pferde. Tierarzt Dr. Carl Fischer eröffnete 1890 in der Schönhauser Straße mit seiner Frau Marie Fischer
ein Sanatorium. Das Haus des Sanatoriums steht noch heute und das Weidegelände grenzte bis an die Marienstrasse, die nach der Ehefrau benannt wurde.
Früher war dies ein privater Weg welcher sich auf den Grundstücken der Kerkows befand. Marie war eine geborene Kerkow. Militär- und Brauereipferde
kurierten hier ihre kranken Beine mit Schlammpackungen und Spezialdiäten. Bis zu 100 Pferden konnten im Sanatorium Platz finden und bot so manchen
Spaziergänger und vor allem den Kindern einen Anziehungspunkt, das Treiben der Pferde zu beobachten.
Ein eigenes Pfarrhaus, der französisch reformierten Gemeinde besitzt die Hugenottengemeinde von Buchholz seit 1691 auf dem heutigen Grundstück
Hauptstrasse 13. Es war ein sehr einfaches Haus in Fachwerkbauweise. Dazu gehörte der bis zur Gartenstraße reichende Pfarrgarten. Von den
französischen Predigern ist häufiger ins Kirchenbuch geschrieben, dass das Pfarrhaus in keinem guten Zustand sei, so auch 1779. Das Haus soll zu
dieser Zeit sogar unbewohnbar gewesen sein. Der Prediger wohnte dann in Berlin und musste zur Ausübung seiner kirchlichen Pflichten mit Pferd und
Wagen nach Französisch Buchholz kommen. Auch Jahre danach wurde der Zustand des Pfarrhauses kritisch bewertet. 1879 bestand der Pfarrhof aus dem
Wohnhaus, mit dem Giebel zur Straße stehend, einem Nebenhaus und dem Stall. Das Grundstück selbst war 71 m breit und 124 m tief. Im
hinteren Teil etwa 20 m vom Gartenzaun entfernt, befand sich ein Gewächshaus, so ganz in der Tradition der Hugenotten. 1890 waren das neue Pfarrhaus
aus Klinker und der Stall fertig gestellt. Dem dort wohnenden Pfarrer standen im Erdgeschoss fünf Zimmer, eine Mädchenkammer, die Küche mit
Speisekammer und eine Toilette zur Verfügung. 1937 hat der Bauunternehmer Ernst Domsch aus der Buchholzer Gartenstraße ein Badezimmer, von der Küche
abgehend, eingebaut. Der Pfarrgarten wurde zum einen Teil als kleiner Erlebnispark angelegt und die größere Fläche war für den Obst- und Gemüseanbau
reserviert.
Pferdesanatorium Tierarzt Dr. Carl Fischer gründete 1890 ein Sanatorium in der Schönhauser
Straße, in dem früher Pferde behandelt wurden. In dem Sanatorium fanden die Pferde des Militärs und Brauereigäule mit Spezialdiät und
Schlammpackungen wohltuende Heilung. Der moorhaltige Wiesenboden soll Heilkraft für die kranken Hufe der "Pferdepatienten" besessen haben.
Der örtliche Landbriefbote war nicht nur für das Dorf Buchholz zuständig, sondern auch die Ortschaften Schönerlinde, Schönwalde und Basdorf
mussten "laufend" mit Post versehen werden. Zu diesem Zweck mussten werktags zwei Boten den 17 km langen Fußmarsch von Buchholz aus in
Richtung Basdorf zurücklegen, wo sie dann eine Stunde ruhten, bis sie von dort aus ihren Heimweg antraten. Die erste Stra-ßenbeleuchtung wird um die
Jahrhundertwende in Französisch Buchholz beschrieben und im gleichen Jahr bildete sich auch die freiwillige Feuerwehr im Dorf.
Mit dem ersten Weltkrieg wurde alles Französische in Buchholz verpönt. Es wurden Feindbilder geschürt, die besten Pferde wurden für den
Kriegseinsatz vorgeführt werden und die Männer mussten sich zur Musterung einfinden. Das Leben wurde zunehmend schwerer, die Lebensmittel rationiert
wurden und sich die Kohlrübe als Hauptnahrungsmittel fungierte. Die französische Sprache passte nun nicht mehr ins Bild und der Zusatz
"Französisch" aus dem Ortsnamen wurde verbannt. Viele Männer, meist Vater und Sohn zogen voll Stolz und Vaterlandsliebe in einen Krieg,
den viele nach ersten Todesmeldungen von der Front für unsinnig hielten. Es schwand der Humanpatriotismus und erster Widerstand regte sich. Die
Berliner kamen nach Buchholz um an die begehrten landwirtschaftlichen Produkte zu kommen. Buchholzer Frauen mussten in Rüstungsbetrieben ihren
Lebensunterhalt verdienen, weil die Männer an der Front waren. Mit der Abdankung des Kaisers war der Krieg vorbei, zuvor kam es zum Zusammenbruch an
allen Fronten. Nun wurde die Republik ausgerufen doch die Nachwirkungen des Krieges waren noch lange zu spüren. Ehemalige Frontkämpfer und deutsch
Nationaldenkende Buchholzer Einwohner gründeten den Kriegerverein und ließen sogleich, für die gefallenen Soldaten aus Buchholz, vor der Kirche in
Buchholz ein Kriegerdenkmal errichten.
Mit der Eingemeindung Pankows zum 19. Verwaltungsbezirk von Berlin ging Buchholz in die Verwaltung von Pankow über und im Amtshaus Buchholz
zog das städtische Verwaltungsgebäude mit Ortsteilamtstelle, Steuer-, Standes- und Wohlfahrtsamt ein. Später kamen die Kartenstelle und das
Wohnungsamt hinzu. In einer Sitzung der Gemeindevertreter im Jahr 1914 beschäftigte man sich mit der Problematik der Wasser- und Abwasserversorgung
von Buchholz. Für dessen Bau musste die Gemeinde einen Kredit von 770.000 Mark aufnehmen und Buchholz schloss sich dem Wasserwerk in Pankow an. Mit
der Benennung Berlin - Buchholz zeigte sich der Ort mit Berlin verbunden, wovon der Ort 1904 mit der Elektrifizierung und 1908 mit dem Anschluss an
das Stadtgas profitierte. Es begann auch das vermehrte Leben von Laubenpiepern, die jetzt gänzlich aufs Land zogen und somit zu einem sprunghaften
Anstieg der Bevölkerung in Buchholz sorgte. Das Volk hatte keinen großen Anteil an den folgenden Jahren, hohe Arbeitslosigkeit und die
Geldentwertung brachten keinen nennenswerten Aufschwung. Aus dieser Ausweglosigkeit und politischer Zerstrittenheit entwickelte sich der
Nationalsozialismus. Buchholz war in dem Propagandaapparat der NSDAP mit einem Ortsgruppenleiter, einem Ortsbauernführer und einem Jungscharführer
sowie anderen Funktionären der SA und SS vertreten. Die gezielte Propaganda hatte auch in Buchholz ihren Erfolg. Dies zeigte die rege Beteiligung an
den Versammlungen im Schützenhaus. In der Pasewalker Straße führten die NS - Frauenschaft, die Deutsche Arbeitsfront und die Volkswohlfahrt ihre
Büros, eine NSDAP Dienststelle war in der Berliner Straße 18. Buchholzer Unternehmen sponserten Holz und Farbe für eine Bleibe des Fähnlein
"Nordland" der Hitlerjugend in der Pasewalker Straße 62. An der Einweihung nahmen 300 Jungmannen aus Buchholz, Buch, Karow und Blankenburg
teilgenommen. Im Schützenhaus wurde der erste Kameradschaftsabend des Sturms abgehalten. Die Fernverkehrsstraße 109, die durch Buchholz führt wurde
zur Protokollstrecke für Göring und Göbbels, die diesen Weg zu ihren Residenzen in der Schorfheide und am Bogensee nutzten.
Die Arbeitslosigkeit wurde rapide gesenkt und das Leben schien normal weiter zu gehen. Viele Arbeitsplätze wurden geschaffen um Grünanlagen zu
pflegen oder neue Wege anzulegen. Auf diese Weise entstand entlang der Panke eine Promenade und der Fußweg vom Bahnhof zur Lederfabrik wurde wieder
instand gesetzt. Um Sympathie warben die neuen Machthaber, mit "Kraft durch Freude" konnten verbilligt Reisen gebucht werden und bedürftige
Kinder wurden kostenlos aufs Land geschickt. Ein umfangreiches Besiedlungsprogramm sorgte für einen sprunghaften Anstieg der Bevölkerung, viele
Berliner kamen nicht nur am Wochenende in das ländliche Dorf Buchholz, sondern die großzügige Anlage von Laubenkolonien veranlasste zur dauerhaften
Nutzung, die über die Wintermonate hinausgingen. Auch der Antisemitismus der Nazis fruchtete bei den Buchholzern. Der Dr. med Markus, jüdischer Arzt
und Geburtshelfer und der Schuhmachermeister James Klein bekamen dies selbst zu spüren. Ansonsten ging man ganz entspannt mit der Zeit um und
vergnügte sich dann und wann. Es herrschte noch die heile Welt, so auch zur 700 Jahr Feier von Berlin, als sie sich mit einem eigenen Kremser am
Festumzug im Bürgerpark beteiligten. In der Zeitung "Der Norden" lesen dann die Pankower den von Kurt Fröhlich trefflichen Reim;
Ihr Herr´n und Damen in Kostümen, aus einer längst entschwund´nen Zeit.
Erlaubt, ein wenig Euch zu rühmen, bei festlicher Gelegenheit.
Als Pärchen mit den Weißperücken, erscheint Ihr in voller Tracht.
Des Rokoko uns zu verzücken, habt Ihr Euch auf den Weg gemacht
Jabot und Dreispitz triumphieren, der "Vatermörder" ist nicht fern.
Im Fliederwagen amüsieren, sich holde Damen, stolze Herr´n.
"Dorfpolizist" und "Nate" geben, sich dem Humor gemeinsam hin,
und selbst des Wallfahrt Esels Streben, erscheint in einem höh´ren Sinn.
"Wallfahrt nach Buchholz", "Fliederwagen", Ihr war´t im Festumzug - nicht verpönt,
Und auch in Pankow wird man sagen: Ihr habt die Tage uns verschönt.
Mit Kriegsbeginn 1939 wurden wieder wehrfähige Männer eingezogen, motorisierte Fahrzeuge und Pferde mussten abgeliefert werden. In der Presse
begann die fanatische Hetze gegen feindliche Länder und man berauschte sich an den Siegen der Wehrmacht während ihres Blitzkrieges. Erst als die
Wehrmacht in Russland auf Widerstand stieß und erste Niederlagen einsteckte machte sich Nüchternheit im Volk breit. Die Front wurde zurückgedrängt
und erste Bombenangriffe kamen über Berlin. Während des zweiten Weltkriegs hatte Buchholz 23 Opfer zu beklagen, die bei den Bombenangriffen in
Buchholz ums Leben kamen. Diese begannen am 22. November 1943. Am Rosenthaler Weg Nähe Friedhof stand eine Flakabwehr, die auch Bewohner und Gebäude
erzittern ließ und 100 Meter hinterm Friedhof stürzte in Buchholz ein Flugzeug ab, welches zuvor abgeschossen wurde. Am 21. April 1945 rückte die
Rote Armee nachmittags aus Schönerlinde und Buch kommend in Buchholz ein. Die sowjetische Militäradministration bezog ihre Dienststelle in der 12.
Schule (Rote Schule) und auf dem Anger vor der Kirche mussten ehemalige Parteigenossen des NSDAP die gefallenen sowjetischen Soldaten bestatten,
bevor sie später umgebettet wurden zum Ehrenmal in die Schönholzer Heide.
Das Leben in Buchholz trat nun schwere Nachkriegsjahre an. Lebensmittelmarken und Bezugsscheine wurden verteilt und der Schwarzmarkt war geboren.
Ganze Betrügerbanden lebten davon die Armen und Ehrlichen übers Ohr zu hauen. Es wurde eine Polizei der "Neuen Ordnung" gebildet und die
Entnazifizie-rungskommission nahm ihre Arbeit auf. Wieder oblag es den Buchholzer Bauern, die schlimmste Not mit ihren landwirtschaftlichen Produkten
zu lindern. Den ersten Strom gab es mit Unterbrechungen im Juni, die Wasserversorgung wurde im Juli und die Gasversorgung im August 1945 wieder
hergestellt. Die Frauen waren es, die die Trümmer der Zerstörung beseitigen mussten, denn die Männer waren zumeist im Krieg geblieben oder waren in
Gefangenschaft. Als Trümmerfrauen gingen sie in die Nachkriegsgeschichte ein, leisteten harte Arbeit und mussten noch ihre Familie mit dem Wenigen
durchbringen.
Berlin wurde in vier Sektoren eingeteilt und das Alltagsleben normalisierte sich zunehmend. In Buchholz öffnete wieder das Kino und zur Ballsaison
1946 waren alle Häuser wieder geöffnet. Über aktuelle Ereignisse und über das alltägliche Tagesgeschehen berichteten wieder zahlreiche Zeitungen.
Herr Moldanhauer, seiner Zeit Zeitungsverkäufer an der Endhaltestelle Buchholz (Kirche) holte im Morgengrauen mit seinem Fahrrad und einem
Zeitungssack die neusten Druckerzeugnisse. Vielleicht so ähnlich ging es seinem Kollegen im Westteil der Stadt. Mit der Aufteilung Berlins in
Sektorengrenzen entwickelte sich die Stadt auch wirtschaftlich gegensätzlich. Im russischen Sektor, zudem auch Pankow mit seinem Ortsteil Buchholz
zählte übernahmen Arbeiter und Bauern die Macht der Betriebe. Anders in den übrigen Sektoren der Amerikaner, Engländer und Franzosen, hier zog
wieder die Marktwirtschaft ein. Beide Stadtteile hatten unterschiedliche Währungen und entwickelten sich politisch in gegensätzliche Richtungen. Wie
überall in der 1949 gegründeten DDR mangelte es an Konsumgüter und an das dafür benötigte Geld. Berlin wurde bevorzugt mit Waren beliefert um die
Stimmung der Stadt nicht zu gefährden. Im übrigen Land gab es vieles nur unter dem Ladentisch (volksmundlich Bückware genannt). Buchholzer, die in
Westberlin arbeiteten, tauschten ihren prozentual anteiligen Westlohn illegal in Ostmark um oder fuhren mit der Straßen- bzw. S - Bahn nach
Gesundbrunnen, um in der Badstraße einkaufen zu gehen. Hier trafen sich viele Buchholzer, die sich sonst nicht einmal in Buchholz selbst trafen. Die
Badstraße wurde sozusagen die neue Dorfstraße von Buchholz. Die Wohnungsnot im Ostteil der Stadt war groß, viele Schrebergartenbesitzer bauten ihre
Laube zu einer festen Bleibe aus und konnten mit einer Sondergenehmigung ihren Garten dauerhaft bewohnen. Bezeichnend dafür sind die noch heute
vorhandenen Grundstücke zwischen der Dietzgenstraße, Rosenthaler Weg, Blan-kenfelder und Schönerlinder Straße. Auch die Attraktivität und
Infrastruktur des Ortes Buchholz verschlech-terte sich aus dem Mangel an Geld. Geschäfte, Gaststätten und andere Dienstleistungen wurden
geschlos-sen und verschlechterten die Versorgung der Bewohner. Erst durch die Genossenschaftsbildung im Garten-bau nahm Buchholz wieder einen
Aufschwung wahr. Es konnte wieder in den Ort investiert werden. Trotz alle-dem verschärften sich die politischen Lager der Siegermächte, die
schließlich in die Berlinblockade und dem "Kalten Krieg" führte bis schließlich 1961 durch die Grenzschließung die Auseinandersetzungen
ihren Höhe-punkt fanden. Viele Familien wurden auseinander gerissen, es begannen Fluchten, die oft tödlich an den Grenzanlagen der Berliner Mauer
endeten. In Buchholz haben viele Menschen (ca. 1000 Einwohner) ihre Heimat verlassen und sind in den Westen gegangen.
Es kam die Zeit der Reglements. Menschen, die etwas verändern oder verbessern wollten konnten sich nicht gegen die sozialistische Staatsdoktrin
durchsetzen. Private Initiativen passten nicht in das Konzept der Par-tei. Nur in staatlich beaufsichtigten Organisationen wie die Nationale Front
oder die Volkssolidarität konnte an der Basis gearbeitet oder gar etwas verbessert werden. Der Pluralismus wurde ausgeschaltet und die Men-schen
mussten sich der Ideologie von Arbeiter und Bauernstaat unterordnen. Zudem machte sich Ost-deutschland abhängig von der Sowjetunion. Es herrschten
Arbeitskräftemangel, Material- und Versorgungs-schwierigkeiten. Wer nicht arbeiten wollte wurde dazu gezwungen oder kam ins Arbeitsstrafanstalt. Der
Man-gel an geeigneten Wohnraum war ebenfalls riesengroß. Man musste sich verheiraten um eine Wohnung zu bekommen, mit dieser Verfahrensweise wurde
zu-gleich die Familienpolitik gesteuert, die auch einen Krippen- und Kindergartenplatz garantierte. Damit war der Weg frei, dass auch Frauen
werktätig wurden und so löste man wiederum den Arbeitskräftemangel. Das Wohnungsproblem wurde schließlich mit dem Bau von Trabantenstädten, wie
Marzahn, Hellersdorf und Hohenschönhausen in Angriff genommen, wo viele auch ihr Gartendomizil wieder verließen und in eine Wohnung mit fließend
Warmwasser eintauschten. Es entstanden die so genannten "Arbeiterschließfächer". Durch die Gründung der Genossenschaft knüpfte Buchholz
wieder ein wenig an ihre Tradition an und der Gartenbau bekam in Buchholz wieder einen Aufschwung. Ansonsten stagniert die Entwicklung des Ortes und
es gab kaum nennenswerte geschichtliche Ereignisse.
Mit der Wende 1989 veränderte sich Buchholz erneut. Unternehmen mussten die Marktwirtschaft erlernen. Zahlreiche Firmen gingen pleite und weit
aus mehr gründeten sich. Der Ort verabschiedete sich von seiner landwirtschaftlichen Tradition. Nur die Blumenzucht hält an ihrer Tradition in
Buchholz fest. Neben zahlreichen Blumengroßhändlern bieten die Gartenbauunternehmen Blumen Müller und Gartencenter Brenke ihre Produkte im Ort an.
Ebenfalls traditionell, die Buchholzer Kelterei, wo überwiegend aus den Buchholzer Schrebergärten die Obstanbauprodukte verarbeitet werden. Noch
über Grenzen in Berlin und Brandenburg bekannt, sind die Buchholzer Tomaten und die Buchholzer Säfte. Mit Autohäusern wurde die Hauptstraße in
Buchholz zugepflastert, der DDR - Bürger dürstete nach einem Auto und es entstand die PS Automeile. Unter vorgehaltener Hand sprechen alte
Buchholzer von den Kindern der ehemaligen Bauernhöfe, die nichts anderes mehr können als Autos zu verkaufen. Schon zu DDR Zeiten bestehende
Autowerkstätten blieben bescheiden und verunstalteten nicht den Ortskern mit Autopalästen und Gebrauchtwagenhöfen. Die Wirtschaft regelt den Markt
selbst. Hohe Benzinpreise, die Umweltzone in der Stadt und die geringe Kaufkraft schlagen sich auch auf dem Automarkt nieder. In Buchholz West
bekamen viele Menschen ein neues Zuhause und der Ort bekam wieder seinen Namenszusatz "Französisch" zurück. Im neuen Ortsteil
Buchholz West zieren viele großen Namen der Hugenotten die Schilder der Straßen. Die Verkehrsanbindung wurde durch Straßenbahnverlängerung und neue
Buslinien verbessert. Nur der alte Ortskern bietet einen schlechten Eindruck durch Verfall auf der einen Seite und Bauten, die den Charakter des
schönen alten Dorfkerns auf der Strecke lassen auf der anderen Seite. Nicht gerade fördernd ist auch die Interesselosigkeit der Buchholzer
untereinander. Vorbei die beschriebene Gemeinschaft der ehemaligen Hugenotten mit den deutschen Buchholzern. Jeder ist sich der Nächste.
Vereinsleben, nicht wie in der Form von damals als Gemeinschaft ohne finanzielle Interessen, sondern heute um sich als Unternehmen zu profilieren,
wenn Vereine um Unterstützung suchen. Bei einigen Unternehmen im Ort gilt die Devise "Was gehen mir die Buchholzer an", obwohl diese zu
neunzig Prozent von ihnen leben, wer sonst kauft dessen Kartoffeln. Diese Interesselosigkeit spiegelt sich auch in dem Ort wieder. Müllecken,
beschmierte Wände, schlechte Straßen und mutwillig zerkratzte Haltestellenhäuschen sind nur einige Dinge, die das Ansehen des einst schönen Dorfes,
welches zur Walfahrt viele Berliner am Wochenende einlud, zunichte machen. Es gibt aber auch Ausnahmen von Buchholzern, die sich wirklich für den
Ort engagieren, genannt seien der Gartenbaubetrieb Blumen Müller, Lindner - Technische Gase, Autohaus Kirsten, Das Bildungscafé und zahlreiche
soziale Einrichtungen, wie das Amtshaus, Oktupus und das SJZ.